Düsseldorf: Vodafone überholt Telekom beim deutschen Mobilfunk

Düsseldorf : Vodafone überholt Telekom beim deutschen Mobilfunk

Erstmals seit fünf Jahren feiert Vodafone-Deutschland im mit Abstand wichtigsten Geschäft Mobilfunk wieder einen höheren Umsatz als die Deutsche Telekom in deren Heimatmarkt. Dies verkündete Fritz Joussen, im September scheidender Vorstandschef von Vodafone, gestern stolz in seiner letzten Pressekonferenz zur Vorlage der Jahreszahlen.

Danach erwirtschaftete der Düsseldorfer Konzern im ersten Quartal dieses Jahres, das bei Vodafone das letzte Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 ist, einen Umsatz von 1,695 Milliarden Euro. Die Telekom schaffte 1,660 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum. Dabei legten die Düsseldorfer um satte 4,5 Prozent zu, während die Bonner 1,8 Prozent verloren.

Als entscheidenden Grund für den Umsatzboom sieht Joussen das Geschäft mit dem mobilen Internet, wo Vodafone im Gesamtjahr 2011/2012 den Umsatz um 20 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro erhöhte (ohne SMS). "Wir bieten nun seit anderthalb Jahren auch das iPhone von Apple", sagte der 49-jährige im neuen Vodafone-Campus in Düsseldorf-Heerdt, "und gleichzeitig nutzen Firmenkunden wie 70 Prozent der Dax-Konzerne immer häufiger unser Angebot." Hinzu käme ein SMS-Boom: Vodafone würde rund eine Milliarde Euro Umsatz mit diesen Kurznachrichten per Handy machen. Dabei hat Vodafone sehr vielen Kunden eine Flat-Rate für SMS verkauft, um sie an sich zu binden. Joussen: "Die Leute wollen einen günstigen Pauschalpreis haben, bei dem sie nicht mehr über den Preis einer einzelnen SMS nachdenken."

Trotzdem muss Vodafone an wichtigen Fronten stark kämpfen. Ausgaben für den Umbau der Festnetzsparte (früher Arcor) und Gebührensenkungen belasten. Im Geschäftsjahr 2011/2012 sank der operative Gewinn um ein Prozent auf 3,44 Milliarden Euro. Vodafone hatte insgesamt etwa 500 Mitarbeiter im Festnetzgeschäft, die vor allem in einem Essener Call-Center arbeiteten, zum Bertelsmann-Ableger Arvato abgegeben – das kostete Abfindungen.

Zudem lastete auf der Jahresbilanz noch eine von der Bundesnetzagentur angeordnete Senkung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte. Solche Entgelte verlangen die Betreiber für Gespräche aus anderen Netzen.

Während es dem Deutschland-Ableger relativ gut geht, trifft die Euro-Krise die weltweite Vodafone-Gruppe hart. Der weltgrößte Mobilfunk-Konzern muss eine Riesenabschreibung verkraften. Weil die Kunden in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal weniger telefonierten und SMS schrieben, müsse der Wert der Landesgesellschaften um knapp fünf Milliarden Euro gemindert werden. Der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2011/2012 sank um 2,4 Prozent auf 11,5 Milliarden Pfund. Da aber die Geschäfte in aufstrebenden Märkten wie Indien und der Türkei boomten und Deutschland sowie Großbritannien sich stabil entwickelten, sei der Konzernumsatz um 1,2 Prozent auf 46,4 Milliarden Pfund gestiegen.

(RP)
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