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Düsseldorf: Vodafone erwägt Übernahme von Kabel-Deutschland

Düsseldorf : Vodafone erwägt Übernahme von Kabel-Deutschland

Bis zu zehn Milliarden Euro könnten fällig werden. In der Belegschaft ist der Plan angesichts des Sparkurses umstritten.

Bei Deutschlands zweitgrößtem Telefonkonzern Vodafone Deutschland könnte ein Riesendeal bevorstehen: Der britische Mutterkonzern Vodafone bestätigte gestern, für den Düsseldorfer Ableger den Zukauf von Kabel-Deutschland (KD) in München zu prüfen. Es gäbe eine "vorläufige Kontaktaufnahme mit Kabel Deutschland bezüglich eines möglichen Übernahmeangebots", wurde mitgeteilt. Der Kabel-Marktführer bestätigte, einen Vorschlag von Vodafone für ein mögliches Angebot erhalten zu haben. "Es besteht zum jetzigen Zeitpunkt weder Gewissheit darüber, ob ein Angebot tatsächlich abgegeben wird noch was die Bedingungen eines solchen Angebots sein könnten", erklärte KD.

Ein Deal würde für Vodafone-Deutschland eine neue Strategie bedeuten – und er würde als veränderte Strategie des Weltkonzerns Vodafone aufgefasst. Anstatt sich als Mobilfunker mit einigen angehängten Festnetzaktivitäten zu verstehen, würde man viel aggressiver in das Festnetzgeschäft einsteigen: Immerhin würde KD fast neun Millionen Kabel-TV-Kunden einbringen; aktuell hat Vodafone nur rund 3,5 Millionen DSL-Kunden.

Gleichzeitig würde der Zukauf neue Stärke bringen: Weil Kabel beim Internet ein Übertragungstempo von bis zu 200 Megabit /Sekunde erlaubt, könnte Vodafone die Telekom in großen Teilen Deutschlands beim Festnetz abhängen.

An der Börse sorgte die Bestätigung der Kaufüberlegungen gegenüber KD für heftige Reaktionen. Die Aktie von Vodafone rutschte um sechs Prozent ab – Börsianer befürchten, dass die Briten viele, teure Festnetzfirmen kaufen werden. Immerhin könnte schon ein Kauf von KD inklusive Schuldenübernahme bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Der Kurs von KD ging dagegen gestern um fast neun Prozent nach oben – Aktionäre hoffen auf eine "Übernahmeprämie."

In der Belegschaft wird gleichzeitig darauf hingewiesen, dass der im Herbst ausgeschiedene Vodafone-Deutschland, Fritz Joussen, schon vor Jahren den Kauf von KD gegenüber dem Mutterkonzern durchsetzen wollte – auch weil das nicht klappte, ging Joussen dann.

Mehr als drei Milliarden Euro billiger hätte Vodafone KD damals kriegen können – jetzt gibt es Streit, weil der neue Hauptgeschäftsführer, Jens Schulte-Bockum, die Löhne im Service senken will. "Die paar Millionen, um die es nun geht, hätten wir mit einer intelligenteren Zukaufstrategie um das zigfache einsparen können", sagt ein Betriebsrat.

Wahrscheinlich sieht das Schulte-Bockum genauso, den Zukauf prüft er trotzdem. Das Motiv: Wenn Vodafone KD nicht kauft, schlägt wohl der US-Kabelgigant Liberty zu. Und der würde aus KD und seinem Kölner Ableger UnityMedia einen bundesweiten Konzern bauen – Vodafone wäre im Festnetz abgehängt.

(RP)