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Düsseldorf: Versicherer Ergo baut weitere Jobs ab

Düsseldorf : Versicherer Ergo baut weitere Jobs ab

Neue Produkte sollen den Einbruch im Lebensversicherungsgeschäft stoppen.

Der Versicherungskonzern Ergo ist im vergangenen Jahr zwar geschrumpft, aber auch deutlich profitabler geworden. Bei 436 Millionen Euro lag das Konzernergebnis um rund die Hälfte über dem Wert des Vorjahres. Das Unternehmen, profitiert dabei aber auch deutlich von gehobenen Reserven in der Lebensversicherungssparte, die das Ergebnis um einen zweistelligen Millionenbetrag aufgehübscht haben, wie Finanzvorstand Christoph Jurecka einräumt. Zudem gab es Steuerrückzahlungen, und im vergangenen Jahr hatten Umbaukosten den Gewinn gedrückt.

Trotz der positiven Sondereffekte, die 2014 nicht zwangsläufig anfallen, glaubt Konzernchef Torsten Oletzky, an die Entwicklung aus dem Vorjahr anknüpfen zu können. Er stellte gestern ein Ergebnis zwischen 350 Millionen und 450 Millionen Euro in Aussicht – mit der Hoffnung, am oberen Rand dieser Spanne landen zu können.

Schrumpfende Prämieneinnahmen (insgesamt minus 2,3 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro) sind bei Ergo vor allem in der Lebens- und Krankenversicherung zu sehen. Im Lebensversicherungsgeschäft sind die Beiträge in Deutschland im abgelaufenen Jahr um mehr als viereinhalb Prozent gesunken, das Neugeschäft ist um ein Fünftel eingebrochen – im Geschäft gegen laufenden Beitrag noch stärker als bei den Einmaleinzahlungen von Kunden.

Neue Produkte, die in der zweiten Jahreshälfte 2013 schon etwa 60 Prozent des Neugeschäfts ausmachten, sollen die Erosion in der Sparte bremsen. Etwa 11 500 solcher Verträge habe Ergo zwischen Juli und Dezember verkauft, erklärte Vorstandschef Oletzky gestern bei der Bilanzvorlage. Wie andere Anbieter hat das Düsseldorfer Unternehmen mit den neuen Produkten, die unter anderem auf die früher üblichen lebenslangen Garantien verzichten, darauf reagiert, dass die Versicherer am Kapitalmarkt derzeit wegen der niedrigen Zinsen nur sehr schmale Renditen erwirtschaften können.

Der Stellenabbau in der Ergo-Gruppe wird sich nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden fortsetzen. Nach der Fünf-Jahres-Planung wolle Ergo bis 2018 jedes Jahr zwischen 200 und 300 Arbeitsplätze "im Rahmen der normalen Fluktuation und möglichst ohne Friktionen" abbauen, kündigte Oletzky an. In den vergangenen Jahren hat der Konzern etwa 1350 Stellen im Vertrieb abgebaut. Im vergangenen Jahr war zusätzlich die Streichung von etwa 200 Stellen in der Verwaltung bestätigt worden.

Oletzky warb gestern erneut dafür, dass die derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen zur Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven reformiert werden. Bisher müssen die Versicherer die Hälfte dieser Reserven aus festverzinslichen Wertpapieren an die Kunden ausschütten. Die Pläne der großen Koalition sehen angeblich vor, dass die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Reserven gestrichen werden soll. Damit würde die Ablaufleistung in manchen Fällen deutlich sinken.

Die Politik würde damit der Versicherungsbranche folgen. Deren Argumentation lautet: Die Reserven in den Rechenwerken entstehen durch Kursgewinne bei Staatsanleihen, aber diese Kursgewinne sind mitunter nur vorübergehend. Und deshalb dürfe man nicht dazu gezwungen werden, diese Reserven auszuschütten – im Interesse aller Versicherten.

(RP)