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Verlagsgruppe Weltbild könnte neuen Start wagen

München : Weltbild-Verlag könnte neuen Start wagen

Am Freitag wurde die Insolvenz angemeldet, am Samstag tagte ein "runder Tisch" – doch die Kritik an der Kirche ist groß.

Am Freitag wurde die Insolvenz angemeldet, am Samstag tagte ein "runder Tisch" — doch die Kritik an der Kirche ist groß.

Die Weltbild-Pleite wird heute das bayerische Kabinett beschäftigen. Das kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Wochenende in Augsburg an. Der Freistaat werde sich für die Mitarbeiter und deren Familien einsetzen. "Von Bürgschaften bis zu Überbrückungen" sei alles möglich, allerdings müssten "Konzepte dahinterstehen", sagte Seehofer.

Am Freitag hatte der zweitgrößte deutsche Buchhändler in Augsburg überraschend Insolvenz angemeldet. Nicht betroffen von dem Insolvenzantrag sind allerdings die Filialen in Deutschland, die geöffnet bleiben.

Die Verlagsgruppe gehört der katholischen Kirche. Der CSU-Chef äußerte sich zuversichtlich zu den Zukunftschancen des Unternehmens, dem die Zahlungsunfähigkeit droht. Der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz stehe dafür, dass "eher Gestaltung angesagt ist und nicht Zerstörung".

Ebenfalls am Wochenende befasste sich ein vom Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) einberufener Runder Tisch mit der Weltbild-Krise. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi waren sich alle Beteiligten einig, dass nur eine dauerhafte Fortführung des Unternehmens Ziel des Insolvenzverfahrens sein könne. "Wir fühlen uns in unserer Position gestärkt, dass Weltbild eine Zukunft hat, wenn alle an einem Strang ziehen", sagte Betriebsratschef Peter Fitz.

Seehofer und die Gewerkschafter appellierten an die kirchlichen Eigentümer, ihre Verantwortung für die Beschäftigten wahrzunehmen. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat eine umfassende Unterstützung zugesagt.

Trotz dieser Äußerungen gab es am Wochenende heftige Kritik an der katholischen Kirche wegen der Weltbild-Pleite. Gegenüber den mehr als 6000 Beschäftigten sei die Entscheidung der katholischen Bischöfe, den Geldhahn nun zuzudrehen, ein riesiger Skandal, sagte der Augsburger Verdi-Sprecher Thomas Gürlebeck. Allein am Stammsitz in Augsburg müssten rund 2200 Mitarbeiter und ihre Familien um ihre Zukunft bangen. "Die Insolvenz-Anmeldung stinkt zum Himmel." Sie stehe im diametralen Gegensatz zu den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre und des christlichen Gebots der Nächstenliebe.

Gürlebeck nannte es nicht nachvollziehbar, dass die Kirche kein neues Sanierungskonzept in Auftrag gegeben habe, wenn ihr das bisherige Konzept zu teuer gewesen sei.

Die Laienbewegung "Wir sind Kirche" forderte eine vollständige Transparenz der kirchlichen Entscheidungen.

(kna)