Verkehrsminister Scheuer zweifelt an Diesel-Nachrüstung

Auto : Scheuer zweifelt an Diesel-Nachrüstung

Bislang gibt es keinen Zulassungsantrag. Für Daimler gibt es unterdessen neuen Ärger.

(dpa) Die geplanten Hardware-Nachrüstungen von Diesel-Pkw mit zu hohen Schadstoffwerten in Deutschland ziehen sich weiter hin. Bisher liege noch kein einziger Antrag einer Herstellerfirma auf Zulassung von Nachrüstsets vor, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Die Firmen haben uns zugesagt, dass sie bis Mitte des Jahres liefern. Ich bin sehr gespannt, ob sie diese Zusage einhalten können“, sagte Scheuer. „Meine Zweifel waren offenbar nicht ganz unberechtigt.“ Die Umrüstungen am Motor sind Teil eines Maßnahmenpakets der Regierung für bessere Luft.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer warf Scheuer vor, das „Thema Hardwarenachrüstungen sehr erfolgreich sabotiert“ zu haben. Die Mittelständler habe Scheuer mit Auflagen und Haftungsfragen so überladen, dass sie den Anforderungen kaum gerecht werden könnten. In der zweiten Jahreshälfte wird es aus Sicht von Krischer vermutlich nur Nachrüstsysteme für einzelne Modelle von Daimler und Volvo geben.

Im Sinne der Autoindustrie habe Scheuer damit verhindert, dass sie sich um das Thema Hardwarenachrüstung selbst kümmern und dafür zahlen müsse, kritisierte Krischer: „Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie die CSU Interessenpolitik für die Industrie auf Kosten von Umwelt und Dieselbesitzern betreibt.“

SPD-Experte Sören Bartol will mittelständische Firmen finanziell bei der technischen Entwicklung der Nachrüstung unterstützen. Dabei könnten die Staatsbank KfW oder das Förderprogramm des Bundes „Saubere Luft“ genutzt werden.

Unterdessen könnte der kürzlich aufgekommene Verdacht einer weiteren Manipulation von Diesel-Abgaswerten bei Daimler laut „Bild am Sonntag“ deutlich mehr Fahrzeuge betreffen. Wie ein Daimler-Sprecher bestätigte, sind Motoren mit der fraglichen Funktion nicht nur in Sportgeländewagen der Modellreihe GLK eingebaut, sondern auch in Autos der C-, E- und S-Klasse von Mercedes-Benz, von denen weitaus mehr auf den Straßen unterwegs sind. Daimler hält die Funktion nicht für illegal. Das Verkehrsministerium will sich angesichts des laufenden Verfahrens nicht äußern.

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