Verkehrsminister Andreas Scheuer stellt Bahnchef Richard Lutz Ultimatum

Verkehr : Ultimatum für den Bahnchef

Das Bahnmanagement verliert offenbar den Rückhalt der Bundesregierung. Wie sonst lässt sich ein Brandbrief von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) interpretieren, aus dem die „Bild am Sonntag“ zitiert und der an Bahnchef Richard Lutz adressiert ist? Dem Bericht zufolge stellt der zuständige Minister in dem Schreiben dem Manager ein Ultimatum bis zum 14. November.

Bis dahin solle Lutz Konzepte für weitreichende Veränderungen in der Arbeit des Unternehmens vorstellen. Gespräche in den Koalitionsfraktionen hätten deutlich gemacht, dass ein schlichtes „Weiter so“ nicht akzeptiert werde, heißt es weiter.

Das Schreiben belegt das Zerwürfnis zwischen Management und Politik. Lutz war mit seinen Vorstandskollegen bereits dreimal zu Scheuer zum Rapport gebeten worden und hatte anschließend mit seiner in 173 Seiten umrissenen Strategie „Starke Schiene“ ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dem er die Probleme beim Staatskonzern – insbesondere die Unpünktlichkeit des Fernverkehrs – in den Griff bekommen will. Trotzdem ging die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr im September noch einmal zurück. Jeder vierte Zug war demnach verspätet.

Minister Scheuer hatte sich lange hinter den Bahnchef gestellt. „Der Vorstandschef der Bahn macht einen guten Job. Über Richard Lutz gibt es keine Diskussionen“, hatte Scheuer noch vor einem halben Jahr gesagt.

Doch spätestens mit der Berater-Affäre schwindet der Rückhalt spürbar. So hatte es mehrere recht lukrative Beraterjobs für Ex-Bahnmanger und Politiker gegeben, die am Aufsichtsrat vorbei vereinbart worden sein sollen. Im politischen Berlin kursieren bereits Gerüchte, wonach inzwischen nur noch die Aufhebungsbedingungen für mehrere Vorstandsmitglieder verhandelt würden.

In Scheuers aktuellem Schreiben gibt er dem Management auch konkrete Aufgaben mit auf den Weg: So müsse es Maßnahmen geben, um die Probleme bei der Güterverkehrstochter DB Cargo – stehende Züge, schlechtes rollendes Material, fehlendes Personal – abzustellen. Bei DB Regio mahnt er an, das Verspätungsproblem und den Personalmangel in den Griff zu bekommen, Instandhaltungsmaßnahmen müssten zügiger umgesetzt werden und unnötige Hierachieebenen abgebaut werden.

Das Bundesverkehrsministerium wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren. Auch von der Bahn hieß es, man äußere sich grundsätzlich nicht zu internem Austausch.

(maxi/dpa)