Tarifkonflikt um das Sicherheitspersonal: Verdi wirft Arbeitgeber Einsatz von Streikbrechern vor

Tarifkonflikt um das Sicherheitspersonal : Verdi wirft Arbeitgeber Einsatz von Streikbrechern vor

Im Tarifkonflikt um das Sicherheitspersonal an den Flughäfen in NRW hat die Anweisung eines Arbeitgebers die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verärgert. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen Kötter vor, Streikbrecher von Erfurt nach Düsseldorf schaffen zu wollen.

Per Aushang hatte die Erfurter Kötter-Niederlassungsleiterin Ker-stin Fürst am vergangenen Freitag ihre 24-köpfige Belegschaft über eine für Dienstag und Mittwoch angesetzte, verpflichtende "außerordentliche Fortbildungsmaßnahme in Düsseldorf" informiert. Stutzig macht die ungenaue Zeitangabe der kurzfristig anberaumten Veranstaltung.

Die Belegschaft wurde in dem Aushang zudem angewiesen, in Dienstkleidung zu erscheinen. "Die Firma stellt einen Bus zur Verfügung, der Sie vom Flughafen Erfurt zum Flughafen Düsseldorf und spätestens 14 Uhr wieder nach Erfurt zurückfährt." Der genaue Abfahrtszeitpunkt werde mitgeteilt, sobald entsprechende Informationen vorlägen. Die gesamte Zeit werde bezahlt, heißt es.

Das Unternehmen wies auf Anfrage die Anschuldigungen von Verdi zurück. "Wir unterlaufen keine Streiks und halten uns selbstverständlich an geltende Arbeitszeitgesetze", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Vielmehr sollten die Erfurter Mitarbeiter in einem Düsseldorfer Ausbildungszentrum geschult werden. Zu Inhalt und Umfang der unternehmenseigenen Schulung machte Kötter keine Angaben.

Für Verdi steht fest, dass Kötter Streikbrecher einsetzen wollte — zumal es in Erfurt keinen Betriebsrat der Kötter-Beschäftigten gibt. "Das ist eine Trickserei, die zeigt, dass die Arbeitgeber überhaupt kein Interesse an einer konstruktiven Lösung haben", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. "Kötter verstößt mit dieser sogenannten Fortbildungsmaßnahme nicht nur gegen das Arbeitszeitgesetz. Das Unternehmen tritt zugleich auch die Grundrechte der Arbeitnehmer mit Füßen. Das fordert uns heraus, den Arbeitgebern die komplette Bude lahmzulegen."

Für Dienstag ist eine außerordentliche Sitzung der Tarifkommission angesetzt, bei der über weitere Streiks an den NRW-Flughäfen entschieden werden soll. Bei dem Tarifstreit geht es um die Löhne der 34.000 Beschäftigten im Bewachungs- und Sicherheitsgewerbe NRW. Gestern legten eine Betriebsfeuerwehr in Rheinberg und ein Teil der Sicherheitsbeschäftigten des Kernbrennelemente-Zwischenlagers im westfälischen Ahaus die Arbeit für mehrere Stunden nieder.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chaos am Düsseldorfer Flughafen: Die Passagiere

(RP/das/csi)
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