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Verdi: Sicherheit soll nicht mehr billig sein

Düsseldorf : Verdi: Sicherheit soll nicht mehr billig sein

In dem Tarifkonflikt mit der Sicherheitswirtschaft will die Gewerkschaft das Geschäftsmodell der Branche angreifen.

Sieben Euro brutto. Das ist der Stundenlohn, den ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes bekommt, wenn er bei Heimspielen des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 seinen Dienst tut. Und das, obwohl der niedrigste Stundenlohn im Tarifvertrag für die Branche, um dessen neuen Abschluss derzeit gerungen wird, bei neun Euro liegt. Frechheit, sagt Verdi. Nichts Verwerfliches, sagen der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft BDSW und das Unternehmen Securitas, das für den Ordnungsdienst in der Schalker Arena zuständig ist. "Solange der Mitarbeiter die Qualifikation nicht hat, kann er nur als sogenannte Service-Kraft eingesetzt werden, zum Beispiel als Einweiser auf den Parkplätzen", betont ein Securitas-Sprecher. "Diese Tätigkeiten fallen nicht unter den Tarifvertrag für das Wach- und Sicherheitsgewerbe." Das sieht Verdi wiederum ganz anders: "Die Lohnuntergrenze von neun Euro gilt für alle in diesen Betrieben tätigen Arbeitnehmer", sagt Verdi-Fachsekretär Özay Tarim.

Schon an diesem Fall zeigt sich, wie verhärtet die Fronten im Tarifkonflikt in der Sicherheitsbranche sind. Heute steht die zweite Verhandlungsrunde an, eine Einigung ist unwahrscheinlich. Die Arbeitnehmer fordern für Fluggastkontrolleure 2,50 Euro mehr pro Stunde (plus 17 Prozent) auf dann 17,20 Euro und für Sicherheitspersonal eine Erhöhung des Stundenlohns um 1,50 Euro (etwa 16 Prozent), was einen Mindestlohn von 10,50 Euro für die meisten der 34 000 Beschäftigten in NRW bedeuten würde. Der BDSW entgegnet, dies habe "mit einer normalen Forderung nichts zu tun" und bietet eine Erhöhung um drei Prozent an. Das wäre je nach Lohngruppe 27 bis 44 Cent mehr. Ab Januar, nach Ende der Friedenspflicht, sind Streiks unter anderem in der Fluggastkontrolle an Flughäfen oder aber beim Wachpersonal in Flüchtlingsunterkünften möglich. In den Verhandlungen geht es auch um deren Bezahlung und Ausbildung. Zuletzt war es in Flüchtlingsunterkünften zu Übergriffen durch Sicherheitsleute gekommen.

Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker und Fachsekretär Tarim betonen, man wolle verhandeln und nicht streiken, sie schließen Arbeitsniederlegungen aber nicht aus. "Wir wollen den Niedriglohnbereich verlassen", sagt Becker. Die Gewerkschaft wirft der boomenden Branche mit einem Jahresumsatz von rund fünf Milliarden Euro vor, die Preise niedrig halten zu wollen. Auftraggeber aus der Industrie und im Öffentlichen Dienst sollten nicht wieder dazu gebracht werden, eigene Werksschutz-Dienste oder Pförtner zu beschäftigen. Zum Beispiel im Düsseldorfer Landtag: Fünf von zehn Pförtnern arbeiten für ein privates Unternehmen und verdienen den tarifvertraglich festgeschriebenen Stundenlohn von 10,67 Euro, wie aus einer Gehaltsabrechnung hervorgeht. Ihre Kollegen im Landesdienst kosten hingegen 14,59 Euro. "Die Branche will billiger bleiben. Also gehen wir in den Kampf um das Geschäftsmodell", sagt Becker. "Auch Ministerien und Behörden müssen überprüfen, ob ihre Pförtner tariftreu bezahlt werden."

(RP)