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Verdi macht Druck bei Karstadt Kaufhof

Warenhausgeschäft : Verdi macht Druck bei Karstadt Kaufhof

Die Gewerkschaft verlangt einen Sozial-Tarifvertrag und die Bildung einer Transfergesellschaft für die Beschäftigten des Warenhauskonzerns. Das Schutzschirmverfahren steht vor dem Ende.

Die Zukunft des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof ist unklarer denn je. Die Verhandlungen zwischen der Geschäftsführung und der Arbeitnehmervertretung scheinen festgefahren. Am Montagabend hatte die Gewerkschaft Verdi die Gespräche abgebrochen und für Dienstagmorgen erst einmal zu einer Kundgebung in der Kölner Innenstadt aufgerufen. Dem Appell folgten zwar nur ein paar Dutzend Mitarbeiter. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie schlecht die Stimmung in der Belegchaft mittlerweile ist. Das gilt auch für die 106 von Thomas Cook übernommenen Reisebüros, von denen angeblich ab kommender Woche viele nach und nach geschlossen werden sollen.

Der Abgang des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Stephan Fanderl in der vergangenen Woche hat daran offensichtlich nichts geändert. Zwar war die Demission des Konzernlenkers eine der zentralen Forderungen von Verdi. Doch das Dreigestirn, das jetzt im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens die Geschicke des Unternehmens bestimmt (Finanzvorstand Miguel Müllenbach, der Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz), hat den Arbeitnehmern nach deren Angaben auch noch keinen Vorschlag vorgelegt, der aus Sicht der Beschäftigten auch nur ansatzweise akzeptabel wäre. „Man will Tausende auf die Straße setzen. Das ist keine Perspektive. Es gibt keinen Zukunftsplan“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Orhan Akman in Köln. Er kritisiert, dass immer noch nicht klar sei, welche Filialen geschlossen und wie viele Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

Nun drängt die Zeit. Denn bis zum Ende des Monats erwartet das Amtsgericht einen Plan, wie es beim Warenhauskonzern weitergehen soll. Andernfalls droht dem Konzern ein reguläres Insolvenzverfahren, in dem auch die Gläubiger wieder Zugriff bekämen. Der ist ihnen im Schutzschirmverfahren verwehrt.

Bisher war nur die Rede davon, dass bis zu 80 Niederlassungen geschlossen werden und Tausende Mitarbeiter ihren Job verlieren sollten. Andererseits ist das Geschäft der Verhandlungsführer auf der Unternehmensseite kompliziert: Sie müssen versuchen, Mietverzicht bei den Vermietern auszuhandeln, sie müssen andere Gläubiger zum Verzicht auf wenigstens einen Teil ihrer Forderungen bewegen. Verdi verlangt einen Sozial-Tarifvertrag, die Bildung einer Transfergesellschaft sowie einen Tarifvertrag für „gute und gesunde Arbeit“.

Eigentlich sind bei Galeria Karstadt Kaufhof Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen durch einen Ende des vergangenen Jahres geschlossenen Tarifvertrag bis Ende 2024 ausgeschlossen. Doch für das Schutzschirmverfahren gelten besondere Regeln, und zu denen gehört die Möglichkeit, diesen Tarifvertrag einseitig zu kündigen. Dies hat die Geschäftsführung bisher allerdings nicht getan.