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Düsseldorf: Verdi droht Firma Kötter mit Klagewelle

Düsseldorf : Verdi droht Firma Kötter mit Klagewelle

Die Gewerkschaft wirft dem Sicherheitsunternehmen vor, bestehende Tarifverträge zu ignorieren.

Der Streit zwischen Verdi und dem privaten Sicherheitsunternehmen Kötter geht in die nächste Runde. Die Dienstleistungsgewerkschaft wirft der Essener Firma vor, sich nicht an den Bundesmanteltarifvertrag zu halten. Kötter weist dies zurück. Nach Darstellung von Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim will der für die Sicherheitskontrollen zuständige Dienstleister bei langjährig Beschäftigten an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durchsetzen.

In Köln, wo Kötter seit gut zwei Jahren die Kontrollstellen besetzt, brodelt es schon seit Oktober 2015. Damals hätte die neue Unternehmensleitung lange geltende Urlaubsansprüche infrage gestellt, sagt Tarim. "Statt der - ursprünglich auch von Kötter gewährten - 36 Tage Urlaub wollte der Arbeitgeber plötzlich nur noch 28 Tage gewähren. Und das, obwohl der Besitzstand klar im Manteltarifvertrag garantiert wird." Mehrere Beschäftigte klagten. Im Sommer entscheidet in nächster Instanz das Landesarbeitsgericht Köln.

Doch der Konflikt verschärft sich jetzt zusätzlich. Die Gewerkschaft bemängelt, dass in Köln für die gleiche Beschäftigtengruppe ohne Absprache oder Vorankündigung ein Arbeitszeitkonto eingeführt worden sei. Bislang hatten die Mitarbeiter einen Anspruch auf eine Mindestarbeitszeit von 160 Stunden. Dies hatte ihnen das Bundesarbeitsgericht im Juni 2011 noch unter dem damaligen Sicherheitsunternehmen FiS zugestanden. Nach dem Bundesmanteltarifvertrag wäre dieser Anspruch auch nach dem Betreiberwechsel zu Kötter bestehen geblieben. "Der Arbeitgeber hat noch im Dezember bei einer Betriebsversammlung zugesagt, dass es keine Konten für die Beschäftigten gibt", sagt Tarim. "Kötter sollte sich auch in diesem Fall auf eine Klagewelle einstellen."

Weiterer Ärger droht am Flughafen Düsseldorf. Nach Angaben von Verdi gebe es dort Pläne vonseiten Kötters, die Arbeitszeit von rund 120 Vollzeitbeschäftigten, denen laut Besitzstandsregelung im Manteltarifvertrag 173 Arbeitsstunden pro Monat zustehen, um 13 Stunden abzusenken. Die Sicherheitsfirma erklärte gestern auf Anfrage: "Die Kötter Aviation Security SE & Co. KG hält sich an sämtliche tariflichen und rechtlichen Vorgaben." Man könne sich zu individualrechtlichen Angelegenheiten nicht näher äußern.

Gewerkschaftssekretär Tarim vermutet, dass wirtschaftlicher Druck Auslöser für die geplanten Verschlechterungen seien. "Dem Management muss man klar sagen: Wenn Sie mit dem Rücken derart zur Wand stehen, dann verhandeln Sie mit dem Auftraggeber nach oder geben den Auftrag ab", so Tarim.

(maxi)