Nach Änderung bei Prime Video So schließen Sie sich der Klage gegen Amazon an

Düsseldorf · Bereits im Februar hatte Amazon die Preise für seinen Streamingdienst erhöht – und zwar für all jene, die das Angebot weiterhin ohne Werbung nutzen wollen. Verbraucherschützer halten das für rechtswidrig. Ab sofort können sich Kunden einer Sammelklage anschließen – und im besten Fall auf Geld hoffen.

Verbraucherschützer Hummel: Änderungen „nur mit Zustimmung der Verbraucher möglich“.

Verbraucherschützer Hummel: Änderungen „nur mit Zustimmung der Verbraucher möglich“.

Foto: dpa/Silas Stein

Nutzerinnen und Nutzer des Streamingdienstes Prime Video können sich ab sofort einer Sammelklage gegen Amazon in Deutschland anschließen. Hintergrund ist, dass der Streaming-Anbieter seine Kundschaft vor die Alternative stellt, neuerdings Werbung beim Streamen zu sehen oder für knapp drei Euro mehr pro Monat weiter werbefrei zu schauen. Verbraucherschützer halten dieses Vorgehen für rechtswidrig. Die wichtigsten Antworten.

Was genau hat Amazon gemacht?

Amazon hatte im Februar begonnen, „in begrenztem Umfang“ Werbung in Filmen und Serien seines Video-Streamingangebots zu schalten. Wer das vermeiden und weiterhin werbefrei streamen möchte, könne für 2,99 Euro das zusätzliche Abo Prime Video Ad Free abschließen und das Angebot ohne Werbung nutzen.

Warum hält die Verbraucherzentrale Amazons Vorgehen für rechtswidrig?

In der Bekanntmachung der Klage heißt es, Amazon habe zusätzliche Werbung „einseitig und ohne die Zustimmung ihrer Kunden einzuholen“ eingeführt. Michael Hummel, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, vertritt in einer Mitteilung die Ansicht, dass derartige Änderungen innerhalb eines laufenden Vertrages aber nur mit Zustimmung der Verbraucher möglich seien. Deshalb sei das Vorgehen rechtswidrig. „Andere Streamingdienste machen vor, wie es richtig geht und fragen ihre Kunden vorher“, sagt er.

Wer kann gegen diesen Schritt klagen?

Der Klage könnten sich alle anschließen, die vor dem 5. Februar ein Amazon-Prime-Abo hatten und es bezahlt haben, so Hummel. Neben Privatpersonen betrifft das auch kleine Unternehmen. Dabei ist es egal, ob Amazon-Kunden das Zusatz-Abo abgeschlossen haben oder nicht. „Man muss den Video-Dienst nicht genutzt haben, das Abo muss auch nicht mehr bestehen“, sagt Hummel. Das Klageregister für betroffene Kundinnen und Kunden sei nun geöffnet, teilte die Verbraucherzentrale Sachsen am Donnerstag mit.

Wie kann man sich der Sammelklage anschließen?

Das geht über die Seite des Bundesamts für Justiz. Hier ist eine Anmeldung ins Klageregister online möglich. Außerdem biete die Verbraucherzentrale Sachsen bei Bedarf Unterstützung an, heißt es.

Was passiert, wenn die Klage Erfolg hat?

Sollte die Sammelklage der Verbraucherzentrale Sachsen erfolgreich sein, bekommen Betroffene ihr Geld zurück. „Wir sprechen hier von etwa 36 Euro pro Jahr“, erklärte Hummel. Der Experte rechnet aber mit einer Verfahrensdauer von mehreren Jahren.

Was sagt Amazon?

Amazon hatte die Vorwürfe bereits Anfang des Jahres zurückgewiesen und erklärt, alle gesetzlichen Verpflichtungen erfüllt zu haben.

Was können unzufriedene Kunden von Prime Video ansonsten tun?

Verbraucher können den Streamingdienst auch einfach wechseln. Die Mitgliedschaft bei Prime Video kann unkompliziert und jederzeit bis 48 Stunden vor der nächsten Abrechnung gekündigt werden. Alternativen gibt es dabei zuhauf: Bei Netflix etwa gibt es das Basis-Abo mit Werbung schon für 4,99 Euro. Um Geld zu sparen, kann es ohnehin klug sein, einen Streaming-Dienst nicht das ganze Jahr über zu abonnieren, sondern nur einige Monate und in dieser Zeit alle besonders interessanten Angebote zu schauen.

(mit Material von dpa und AFP)

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort