USA gegen China: Gewinner und Verlierer des Strafzollkonflikts

USA gegen China: Gewinner und Verlierer des Strafzollkonflikts

Seit Tagen bedrohen die Strafzollankündigungen zwischen den USA und China die Weltwirtschaft und Börsen. Doch wer genau würde von der Umsetzung profitieren? Und für wen wäre sie existenzbedrohend? Ein Überblick.

Die angedrohten chinesischen Zölle auf US-Produkte würden deren Hersteller belasten und könnten ihren Konkurrenten in anderen Ländern helfen. Für Sojabohnen-Farmer in den USA könnten sie ein Desaster sein, ein Segen hingegen für die in Brasilien und Argentinien sowie europäische Flugzeughersteller und japanische Whisky-Destillerien.

Als China die Produkte für die Liste mit einem Jahresimportvolumen von 50 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) auswählte, für die künftig ein zusätzlicher Zoll von 25 Prozent gelten könnte, wählten sie solche, die auch aus anderen Ländern bezogen werden können, darunter Sojabohnen sowie kleine und mittelgroße Flugzeuge.

Dies werde wohl die Nachteile für China verringern, falls US-Präsident Donald Trump seine Pläne für Zollerhöhungen umsetze und Peking antworte, sagte der Ökonom Lu Feng von der Universität von Peking. "Im Vergleich zu der US-Liste, die auf Hochtechnologie fokussiert ist, ist Chinas Liste vielfältiger" sagte er. "Die Auswirkung auf die Gesamtwirtschaft Chinas ist unter Kontrolle."

Die USA und China haben noch nicht bekannt gegeben, wann die Zollerhöhungen in Kraft treten könnten. Trump hat höhere Abgaben auf chinesischeTelekommunikations-, Flugzeug- und andere Technologiegüter genehmigt. Er ließ aber etwas Zeit für Verhandlungen, indem er der Öffentlichkeit bis zum 11. Mai Zeit gab, zu der Liste Stellung zu nehmen. Aus Peking hieß es, das Datum hänge von Trumps Handeln ab.

Die Drohungen haben bereits die Geschäftswelt erschüttert. Die Aktienkurse amerikanischer Exporteure von Flugzeugen, landwirtschaftlicher Maschinen und von Getreide fielen am Mittwoch, nachdem Peking die Liste mit 106 Produkten veröffentlicht hatte. Darauf stehen auch Rindfleisch, Elektroautos, industrielle Chemikalien, Orangensaft und Tabak.

Mehr Verlierer als Gewinner

Die Verlierer, darunter chinesische Konsumenten, denen höhere Preise drohen, werden wahrscheinlich zahlreicher sein als die Gewinner.

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Für chinesische Importeure, die große Mengen Sojabohnen oder anderer Güter aus den USA kaufen, dürfte es schwierig werden, die Lücke vollständig zu schließen. Konkurrierenden Anbietern könnten sich Geschäftsmöglichkeiten bieten. "Die offensichtlichen "Gewinner" wären die anderen großen Anbieter dieser Produkte", schrieb Adam Slater von Oxford Economics.

Amerikanischen Sojabohnen-Farmern dürften die chinesischen Zölle am meisten schmerzen. Fast 60 Prozent ihrer Exporte gingen in den zwölf Monaten bis August 2017 nach China, was ihnen 12,4 Milliarden Dollar Umsatz brachte. Bauern in Brasilien, Argentinien oder Australien könnten einspringen und chinesische Käufer beliefern, die Sojabohnen als Tierfutter oder für die Speiseölgewinnung nutzen.

Preiserhöhungen bei amerikanischem Schweinefleisch, Whiskey und Tabak könnten Produkte aus Europa, Russland, Japan und anderen Ländern attraktiver machen. Amerikanische Züchter von Schweinen und Rindern könnten Geld sparen, wenn eine schwächere chinesische Nachfrage dazu führt, dass die Sojabohnen, die sie an ihre Tiere verfüttern, billiger werden.

Chance für Europas Luftfahrttechnologie

Höhere Preise für kleine und mittelgroße amerikanische Flugzeuge und US-Luftfahrttechnologie könnten europäischen Wettbewerbern die Gelegenheit geben, Marktanteile zu gewinnen. US-Exporte im Bereich Luftfahrt hatten 2016 einen Wert von 13,2 Milliarden Dollar und machten 58 Prozent der entsprechenden chinesischen Importe aus. Dies gibt Konkurrenten viel Raum zu wachsen.

Der größte US-Flugzeughersteller Boeing teilte mit, weiterhin mit den Regierungen Chinas und der USA sprechen zu wollen. "Eine starke und dynamische Luftfahrtindustrie ist für den wirtschaftlichen Wohlstand und die nationale Sicherheit beider Länder wichtig", hieß es von dem Unternehmen.

Auch US-Zölle auf chinesische Produkte könnten Nutznießer haben. Dazu könnten Schwellenländer zählen, die als Lieferanten an die Stelle Chinas treten, schrieb William Jackson von Capital Economics. Mexiko stelle viele der Waren her, für die die USA Zölle in Aussicht gestellt hätten, darunter Fernseher und elektrische Schaltungen. Südkorea, Malaysia und Thailand exportierten Halbleiter und andere Technologieprodukte. "In dem Maße, in dem die Zölle dazu führen, dass die USA von woanders importieren, dürften andere Schwellenländer profitieren", schrieb Jackson.

(felt)