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Tiefster Stand seit 1958 erreicht: US-Notenbank senkt Zinsen

Tiefster Stand seit 1958 erreicht : US-Notenbank senkt Zinsen

Washington (rpo). Die Notenbank (Fed) der USA hat die Leitzinsen gesenkt. Sie befinden sich mit nur noch einem Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1958. Die Absenkung durch die Fed war erwartet worden.

Der entscheidende Leitzins wurde am Mittwoch um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent verringert. Damit will die Fed die US-Konjunktur wieder in Schwung bringen. Eine Lockerung der Zinszügel war von Beobachtern erwartet worden. Unsicher war lediglich das Ausmaß.

Die US-Wirtschaft war im ersten Quartal um 1,9 Prozent gewachsen. Nach Einschätzung von Ökonomen dürften auch die Monate April bis Juni nicht stärker ausgefallen sein. Manche rechnen sogar mit einer schwächeren Entwicklung, denn die Hoffnungen auf einen kräftigen Aufschwung nach dem Ende des Irak-Krieges hatten sich nicht erfüllt. Die Unternehmen halten sich weiterhin mit Investitionen und Neueinstellungen zurück. Getragen wird die US-Konjunktur nach wie vor vom privaten Verbrauch, der allerdings nicht stark genug ist, die Konjunktur nachhaltig zu beflügeln.

Ein Anziehen der US-Wirtschaft erwarten Konjunkturexperten jetzt in der zweiten Jahreshälfte. Für den Arbeitsmarkt sagen sie allerdings keine schnelle Trendwende voraus. Die Arbeitslosenquote war im Mai auf 6,1 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit neun Jahren gestiegen.

Zinsen in Euroland attraktiver

Mit der Entscheidung der US-Notenbank hat sich der Zinsabstand zwischen den USA und dem Euro-Raum wieder etwas vergrößert. Die im Vergleich zu den USA deutlich höheren Zinsen im Euro-Raum gelten als ein Grund für den Kursanstieg der europäischen Gemeinschaftswährung. Denn für Investoren ist es derzeit interessanter, Geld in Euro anzulegen. Die EZB hatte Anfang Juni die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Der entscheidende Leitzinssatz liegt bei zwei Prozent.

Eine weitere Zinssenkung im Euro-Raum erwartet Bundesbankpräsident Ernst Welteke vorerst nicht. Er sagte der "Börsenzeitung", er gehe davon aus, dass er und seine Kollegen im EZB-Rat Anfang Juli im Grunde zinspolitisch schon in die Sommerpause gehen könnten. Der EZB-Rat entscheidet bei seinem turnusmäßigen Treffen Anfang Juli über die Zinspolitik. Ende Juli trifft er noch einmal zusammen bevor er sich geldpolitisch auf den 4. September vertagt. Spielraum für eine weitere Zinssenkung ergebe sich erst, wenn der Preistrend aus mittlere Sicht weiter nach unten gehen sollte. Seit der Zinssenkung Anfang Juni hätten sich die Wachstums- und Inflationsaussichten nicht entscheidend geändert.