Schäuble drohen steigende Zinsen US-Investoren wetten gegen Deutschland

New York · Die Spekulation gegen den "sicheren Hafen" Deutschland ist der aktuelle Lieblingszockerkurs der Milliardenjongleure von der Wall Street. Promi-Großinvestoren schwärmen von "einer einzigartigen Gelegenheit" oder gar "der Wette des Jahrhunderts".

Bill Gross hat die Wetten gegen deutsche Bunds angestoßen.

Bill Gross hat die Wetten gegen deutsche Bunds angestoßen.

Foto: ap

Seit US-Finanzgurus den Abverkauf deutscher Staatsanleihen prophezeit haben, lassen immer mehr Anleger die Finger davon. Muss Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bald wieder richtig in die Tasche greifen, also doch noch mehr Zinsen bieten, damit der Bund frisches Geld bekommt?

Am Morgen des 21. April blies Bill Gross im Wall-Street-Slang zum Großangriff: "German 10yr Bunds = The short of a lifetime", verkündete der wegen seiner jahrelangen Anlageerfolge als "Bond-König" bezeichnete Starinvestor im Kurznachrichtendienst Twitter. "10yr Bunds" sind zehnjährige deutsche Anleihen, eine "Short"-Position ist eine Wette auf ihren Wertverlust. Seitdem sind die Kurse tatsächlich in atemberaubendem Tempo gesunken.

Gross' Botschaft: Jetzt sei die einmalige Chance auf den Ausverkauf deutscher Schuldverschreibungen zu setzen, scheint also bei den Finanzprofis angekommen zu sein. Dabei sind die Papiere normalerweise das Maß aller Dinge in Sachen Kreditwürdigkeit und eigentlich immer dann gesucht, wenn die Märkte in die Defensive umschalten. Doch obwohl Griechenland am Rande der Pleite taumelte und die Europäische Zentralbank (EZB) weiter auf Hochtouren Billiggeld druckte, brach die Nachfrage zuletzt ein.

Der US-Hedgefondsmanager Jeffrey Gundlach, ein ähnlich einflussreicher Anleiheinvestor wie Gross, hat für "Bunds" derzeit ebenfalls nur einen Rat: Verkaufen und am besten noch zusätzlich auf den Kursverfall wetten. "Bei einem 100-fachen Kredithebel auf die zweijährige Bundesanleihe ergibt sich ein Gewinn von 20 Prozent", erklärte Gundlach kürzlich in einem TV-Interview und empfahl Anlegern damit quasi, sich auch noch Geld für die riskante Wette zu leihen. "Es ist außergewöhnlich attraktiv", meinte er.

Zuviele Investoren steckten Geld in die deutschen Anleihen

Was haben die Starinvestoren gegen die als bombensicher geltenden Bundesanleihen? Mit Misstrauen in die Finanzpolitik Schäubles oder die größte Euro-Volkswirtschaft generell hat die Wette nichts zu tun. Im Gegenteil: Gross, Gundlach und Co. setzen auf eine Trendwende. Ihre Begründung: Wegen der Verunsicherung durch die Eurokrise und der massiven Geldschwemme der EZB sei bereits soviel Finanzkapital im sicheren Hafen Deutschland gelandet, dass Bundesanleihen sich wegen ihrer mageren Rendite einfach nicht mehr lohnen.

Wegen des jahrelangen Ansturms auf deutsche Staatsanleihen hatten Experten ohnehin schon lange von einer Blase gesprochen, aus der die Luft raus müsse. Die Nachfrage nach den Titeln dürfte laut Gross besonders dann noch weiter zurückgehen, wenn die Probleme in der Eurozone - das schwache Wachstum oder die Zukunft Griechenlands - gelöst würden. Dann werde der Wunsch der Investoren nach sicheren Anlagen nachlassen. Zudem seien deutsche Staatspapiere gegenüber ihren US-Pendants stark überbewertet.

Kassenwart Schäuble droht mit Blick auf die Staatsfinanzierung sobald ohnehin kein Ungemach. Zwar musste der Bund zuletzt erstmals seit mehr als einem Jahr wieder mehr Zinsen zahlen, um zehnjährige Anleihen loszuwerden. Auch schoss die Rendite regelrecht in die Höhe. Doch mit 0,65 Prozent lag sie noch immer auf einem extrem niedrigen Niveau, das viele andere Finanzminister vor Neid erblassen lassen dürfte. Der Bund muss sich erstmal keine Sorgen um seine Mittelaufnahme machen. Die Schattenseite: Auch Sparer, die auf ein Ende der Mini-Zinsen hoffen, müssen sich wohl noch gedulden.

(dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort