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Auch Deutsche Bank verdächtigt: US-Behörden vermuten neue Betrügereien bei Banken

Auch Deutsche Bank verdächtigt : US-Behörden vermuten neue Betrügereien bei Banken

Die US-Behörden lassen bei ihren Ermittlungen gegen Großbanken nicht locker. Nach Informationen des "Wall Street Journal" prüfen sie nun, ob die Institute auch nach der Finanzkrise weiter Investoren beim Verkauf von Hypothekenpapieren übers Ohr gehauen haben. Im Visier der Ermittler steht demnach auch die Deutsche Bank.

Die Untersuchung hätten vor rund einem Jahr begonnen, befände sich aber noch in einem frühen Stadium, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Erste Auskunftsersuchen an die Banken seien inzwischen verschickt.

Die Großbanken stehen wegen Manipulationsvorwürfen an mehreren Fronten in der Kritik. "Hört das denn niemals auf?", fragte ein Händler an der Frankfurter Börse nach den neuen Veröffentlichungen. Auf den Aktienkurs der Deutschen Bank hatte der Bericht aber zunächst keine Auswirkungen. Das Papier legte bis zum Mittwochnachmittag klar zu.

Die Deutsche Bank äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht. Die Behörden selbst wollten gegenüber der Zeitung ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Die mit Hypotheken besicherten Wertpapiere gelten als Auslöser der Finanzkrise. Banken hatten darin massenhaft Immobilienkredite mit zweifelhafter Qualität gebündelt und weiterverkauft. Über die Risiken sollen sie die Investoren dabei nicht richtig informiert haben. Die Institute wurden dafür teils zu hohen Strafzahlungen verdonnert.

In den neuen Untersuchungen beschäftigen sich die Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC und des staatlichen Bankenrettungsprogramms TARP mit der Frage, was mit den Giftpapieren nach Ausbruch der Finanzkrise passierte. Nach Angaben des "Wall Street Journal" geht es dabei um die Jahre 2009 bis 2011.

Die Hypothekenpapiere waren weiter auf dem Markt, sie waren nur kaum verkäuflich. Viele Banken hatten aber einen großen Bestand in ihren Büchern. Es war lange sehr schwer, für diese Anlagen einen Preis zu bilden. In diesem Zusammenhang vermuten die Behörden nach Informationen der Zeitung nun, dass die Banken falsche Angaben gemacht haben könnten, um mit den Papieren dennoch handeln zu können.

Im Blick haben die Ermittler dem Bericht zufolge neben der Deutschen Bank auch die US-Institute Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley. Zudem sollen die britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland (RBS) sowie die Schweizer UBS auf der Liste stehen.

Mehrere Großbanken müssen sie sich bereits wegen Betrügereien bei der Feststellung wichtiger Zinssätze (Libor) verantworten. Hinzu kommen Ermittlungen rund um die ebenfalls wenig transparenten Devisen-, Derivate- und Rohstoffmärkte. Erst am Dienstag zahlte JPMorgan Chase 2,6 Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro), weil die größte aller US-Banken Warnzeichen für die Milliardenbetrügereien von Bernard Madoff ignoriert hatte.

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(dpa)