Düsseldorf: Urlaubszeit lässt Spritpreise steigen

Düsseldorf : Urlaubszeit lässt Spritpreise steigen

Wenn in Nordrhein-Westfalen Ende nächster Woche die Sommerferien beginnen, droht laut Marktbeobachtern ein Preisanstieg an den Tankstellen. Für viele Urlauber könnte es lohnen, erst hinter der deutschen Grenze vollzutanken.

Der Sommerferien-Countdown läuft: Noch zehn Tage, dann beginnen auch in Deutschlands größtem Bundesland Nordrhein-Westfalen die Schulferien. Schon wenige Stunden nach dem letzten Pausengong werden sich Blechlawinen über die Autobahn quälen – voll getankt und voll genervt. Denn wie in jedem Jahr beschleicht so manchen Autofahrer an der Zapfsäule das Gefühl, dass die Mineralölkonzerne stets pünktlich zur Urlaubszeit kräftig an der Preisschraube drehen. "Grundsätzlich müssen wir davon ausgehen, dass hohe Preise mit der Urlaubszeit zusammenhängen", sagt Martin Richter, Geschäftsführer des Onlineportals Benzinpreis.de. Er beobachtet seit Jahren, dass sich die Benzinpreise pünktlich zum deutschen Ferienbeginn auf wundersame Weise erhöhen. "Der Urlaubsbeginn führt häufig dazu, dass der Preis in Deutschland bundesweit um durchschnittlich drei Cent steigt."

Laut dem Portal kostete ein Liter Super Bleifrei gestern im Schnitt stolze 1,61 Euro an der Tankstelle, Super der Sorte E 10 rund 1,56 Euro und Diesel rund 1,43 Euro. Der ADAC spricht von Preisen von 1,55 Euro für Super E10 und 1,41 Euro für Diesel.

Experte Martin Richter räumt ein, dass der jüngste Preisanstieg bei Super-Benzin nicht so dramatisch sei, dafür sei jedoch der Dieselpreis in den letzten sieben Tagen acht Cent höher gewesen, als er angesichts des langfristigen Durchschnitts und der Rohölpreise sein dürfte. Richter sagt daher: "In der Urlaubszeit wird der Dieselpreis häufig genutzt, um an der Preisspirale zu drehen."

Auch Andreas Hölzel vom ADAC sagt: "Es ist sicherlich eine Verführung für Mineralölkonzerne, vom Urlaubsbeginn zu profitieren." Aktuell, so Hölzel, sei der Preis schon etwas gestiegen, doch von extrem überhöhten Preisen könne man noch nicht sprechen: "Wir hoffen, dass das auch so bleibt." Hölzel vermutet, dass auch die Sensibilität der Verbraucher etwas größer geworden sein könnte. Denn obwohl noch immer rund 40 Prozent aller Autofahrer unabhängig von den Preisen stets die gleiche Tankstelle ansteuern, wenn die Nadel sich dem roten Bereich nähert, gibt es inzwischen immer mehr Bürger, die Preise vergleichen.

Vorwürfen, die Industrie würde die Urlaubszeit zur Preistreiberei ausnutzen, widerspricht dagegen Klaus Picard: "Die Benzinpreise hängen von den Weltmarktpreisen ab und nicht von Ferien in NRW." Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes verweist dabei auch auf den Ölpreis, der seit Anfang des Monats von 102 Dollar auf 107 Dollar pro Barrel gestiegen ist. Die Einkaufskosten für Benzin stiegen um 2,5 Cent. All dies habe dazu geführt, dass auch der Durchschnittspreis für Benzin an der Tankstelle um knapp einen Cent gestiegen sei. Von einem starken Preisanstieg könne man daher noch nicht sprechen: "Die Benzinpreise sind aktuell relativ stabil. Natürlich gibt es tägliche Schwankungen, die jedoch ein Ausdruck des Wettbewerbs der einzelnen Tankstellen sind."

Wer in den nächsten Wochen in den Urlaub aufbricht, kann sich vorher beim ADAC, Benzinpreis.de und Co. über die Spritpreise im Ausland informieren. Mit Ausnahme von den Niederlanden, Belgien und Dänemark sind die Preise in allen Nachbarländern niedriger als in Deutschland, wie auch aus der ADAC-Grafik hervorgeht. Besonders günstig ist das Tanken in Luxemburg, wo die Preise im Vergleich zu Deutschland um bis zu 20 Cent pro Liter niedriger liegen. Auch in Ländern wie Frankreich oder Österreich tankt man deutlich günstiger. Wer Richtung Skandinavien fährt, sollte allerdings spätestens in Dänemark tanken, Schweden und Norwegen sind extrem teuer. NRW-Reisenden Richtung Südeuropa rät Richter: "Sie sollten einfach über die Grenze fahren und sich über die niedrigen Preise freuen."

(RP)
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