Frankfurt: Urlaubssperre bei der Bundesbank wegen Sepa-Ärger

Frankfurt: Urlaubssperre bei der Bundesbank wegen Sepa-Ärger

Im Februar startet das neue Zahlungssystem. Doch deutsche Betriebe und Vereine hinken bei der Einführung hinterher.

Die Bundesbank bereitet sich auf Stockungen im Zahlungsverkehr vor. Von Januar bis Mitte März hat sie für ihre Beschäftigten eine Urlaubssperre verhängt. Hintergrund ist, dass das neue Zahlungsverkehrssystem Sepa vom Mittelstand nur schleppend angenommen wird. Das könnte dazu führen, dass Gelder bei Kunden abgebucht, beim Gläubiger aber nicht gutgeschrieben werden können.

"Der Nutzungsstand ist in Deutschland besorgniserregend", sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Im dritten Quartal seien nur knapp 14 Prozent aller Überweisungen im neuen Format ausgeführt worden. Damit sei Deutschland nahezu Schlusslicht. Die Europäische Zentralbank meldete, in kleineren Staaten wie Finnland, Luxemburg, Slowenien und der Slowakei werde das System gut angenommen. Gute Fortschritte machten Griechenland, Zypern, Frankreich, Belgien und Spanien. Thiele warnte, auf verlängerte Fristen zu hoffen: "Es gibt keinen Plan B und es wird auch keinen geben."

Vor allem Unternehmen und Vereine nähmen das Thema nicht ernst genug. Wenn sie von Kunden Rechnungsabschläge, Mitgliedsbeiträge oder Abogebühren einzögen, dann setze das im neuen Verfahren eben einiges voraus, etwa eine sogenannte Gläubiger-ID. Die müssen Unternehmen oder Vereinskassierer bei der Bundesbank beantragen, um sich als einzugsberechtigt ausweisen zu können. Wer das alles im Februar nicht hat, kann kein Geld mehr einziehen.

In Deutschland werden werktäglich Lastschriften im Wert von 52 Milliarden Euro eingezogen. "Und wenn ich mir mal vorstelle, dass ein Prozent dieses Lastschriftvolumens nicht umgestellt wird am 1. Februar – dann sind das 8,7 Millionen Lastschriften, die nicht bearbeitet werden", warnte auch Ludger Gooßens vom Sparkassenverband.

Weniger Stress müssen sich die Verbraucher machen. "Wir müssen eigentlich nicht viel tun", sagt Gerd Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband. Wer im Ausland einkauft, lebt oder eine Ferienwohnung hat, könne sich sogar auf eine leichtere und schnellere Abwicklung des Zahlungsverkehrs freuen. Daueraufträge müssten nicht aktiv umgestellt werden, das erledige die Bank. Verbraucher müssten aber kontrollieren, wenn sie etwa vom Gasversorger angeschrieben würden, ob die angefragte neue Kontonummer namens IBAN stimme.

(RP)
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