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Zugfusion von Siemens und Alstom vor dem Scheitern

Siemens und Alstom : Zugfusion vor dem Scheitern

Selbst der Siemens-Chef glaubt augenscheinlich nicht mehr an ein Zustandekommen.

(anh/brö/maxi) Es sollte der Versuch sein, der chinesischen Übermacht auf der Schiene etwas entgegenzusetzen. Als Siemens-Chef Joe Kaeser und Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge im September 2017 vor die Kameras traten, um eine Fusion ihrer Zugsparten zu verkünden, wetteiferten sie mit Lobesbekundungen: „ein Schlüsselmoment“, „ein starkes Signal“ und „europäischer Champion“ – um nur einige zu nennen.

Mehr als ein Jahr später wird die Euphorie von den Bedenken der europäischen Kommission gedämpft, an denen der Plan zu scheitern droht. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Kommissionskreise berichtet, werden die Wettbewerbshüter die Fusion ungeachtet der jüngsten Zugeständnisse beider Seiten untersagen.

Joe Kaeser machte bei der Vorlage der Bilanzzahlen und der anschließenden Hauptversammlung des Technologiekonzerns zwar betont gute Miene zum bösen Spiel. Womöglich aus Sorge um die Laune des Chefs hatte ihm ein Mitarbeiter einen Smiley an seinen Platz gelegt, den der Manager dann auch gleich grinsend in die Kameras hielt.

Doch seinen anschließenden Aussagen war anzumerken, dass er selbst inzwischen erheblich zweifelt. „Es ist für alle Beteiligten gut, wenn sie gelingt. Wir werden sie aber nicht um jeden Preis suchen“, sagte er zur Fusion. Nun sei es an den Wettbewerbsbehörden zu entscheiden. Einen Seitenhieb konnte sich Kaeser dann aber nicht verkneifen: „Es wird interessant sein zu sehen, ob die Zukunft der Mobilität in Europa durch rückwärts gerichtete Technokraten oder aber von zukunftsorientierten Europäern bestimmt wird.“

Siemens und Alstom hatten gehofft, mit dem neuen Konzern ein europäisches Gegengewicht zu CRRC aufbauen können: Der 2015 per Fusion entstandene größte Schienenfahrzeughersteller der Welt hat seinen Sitz in Peking. Doch das europäische Wettbewerbsrecht befasst sich in erster Linie mit den innereuropäischen Folgen von Unternehmenszusammenschlüssen, vernachlässigt hingegen den globalen Wettbewerb.

Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Maschinenbauers Trumpf und zugleich Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat, forderte deshalb im Gespräch mit unserer Redaktion: „Gegen mächtige Staaten wie die USA und China hat Europa in Zukunft nur dann eine Chance, wenn es einig ist und schlagkräftig sein darf. Dazu kann auch ein europäisches Kartellrecht beitragen, das der Globalisierung Rechnung trägt.“

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Kaeser, der zuvor die EU-Kommission stark attackiert hatte, zeigte sich am Mittwoch aber versöhnlicher und gestand Kommissarin Margarete Vestager zu, dass ihr das europäische Wettbewerbsrecht nur wenig Spielraum eröffnet habe. Womöglich hatte da der Smiley bei ihm seine Wirkung getan.