Zalando will bis 2023 mindestens 40 Prozent Frauen im Vorstand

Online-Modehändler : Von 0 auf 40 Prozent: Zalando will Frauen in den Vorstand holen

Die fünf Vorstände bei Zalando heißen mit Vornamen David, David, Robert, Jim und Rubin. Eine Frau ist nicht darunter. Das will das Unternehmen jetzt ändern. Zieht sich dafür einer der Gründer zurück?

Man kann Zalando nicht vorwerfen, die eigenen Ziele bei der Frauenquote im Vorstand nicht erreicht zu haben. Null Prozent Frauenanteil hatte man sich vorgenommen, null Prozent Frauenanteil wurden erreicht. Aktuell wird der Online-Modehändler, dessen Kunden zum Großteil weiblich sind, von fünf Männern geleitet.

Doch das soll sich in Zukunft ändern. Bis Ende 2023 soll das Verhältnis von Männern und Frauen auf den ersten sechs Führungsebenen des Konzerns ausgewogen sein – zumindest annähernd. Auf jeder Ebene soll der Anteil weiblicher oder diverser Führungskräfte zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Das gab das MDax-Unternehmen bekannt. „Uns ist bewusst, dass es unseren Führungsteams an Diversität fehlt und wir arbeiten intensiv daran, das zu ändern”, sagt Co-Chef Rubin Ritter.

Ritter hat Zalando in den vergangenen elf Jahren zusammen mit den Gründern David Schneider und Robert Gentz aufgebaut. Anfangs war es daher nicht verwunderlich, dass sich im Vorstand keine Frau befand – in vielen Start-ups sieht es nicht anders aus. Weibliche Gründer sind immer noch die Ausnahme. Doch auch als der Vorstand auf fünf Köpfe erweitert wurde, setzte man mit David Schröder und Jim Freeman auf Männer.

Auch unterhalb des Vorstands sind Frauen bislang in der Minderheit. Auf der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstands waren zuletzt elf Prozent der Mitarbeiter weiblich, auf der zweiten Führungsebene waren es 16 Prozent – und die Zahlen stagnierten bzw. gingen in den vergangenen Jahren laut Geschäftsbericht sogar zurück. Deshalb sollen die Anstrengungen laut Zalando verstärkt werden.

Spannend wird sein, wie Zalando die Zahl der Frauen im Vorstand erhöhen wird. Denn um eine Quote von mindestens 40 Prozent zu erreichen, müssten entweder zwei Mitglieder des Vorstands ausgetauscht werden – oder das Gremium müsste um mindestens drei Frauen erweitert werden, um ansatzweise an diese Zielgröße zu kommen.

Könnte es also sein, dass sich ein Teil des Gründerteams 2023 zurückzieht? Die Verträge von Ritter, Gentz und Schneider laufen bis zum 30. November 2023, sollten die Geschäfte so laufen wie geplant, würden sie kurz vorher planmäßig in den Genuss eines Bonus von jeweils rund 170 Millionen Euro kommen.

Ein guter Zeitpunkt zum Ausstieg, oder? Nein, wiegelt man bei Zalando ab. „Solche Pläne gibt es nicht“, sagt eine Sprecherin: „Wir wollen Zalando diverser aufstellen, gleichzeitig ist natürlich auch Kontinuität im Management für uns wichtig.“ Der Umsatz solle bis 2023/2024 auf 20 Milliarden Euro steigen. Zuletzt lag er bei rund 5,4 Milliarden Euro. „Es ist daher durchaus denkbar, dass mit dem Unternehmen auch unsere Managementteams, dazu gehört auch der Vorstand, größer werden“, so die Sprecherin.

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