309.900 im Jahr 2014: Zahl der Existenzgründungen sinkt

309.900 im Jahr 2014 : Zahl der Existenzgründungen sinkt

Eine attraktive Gründerkultur, wie sie sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen haben, ist bislang nicht gelungen. Die Zahl der Existenzgründer ist in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervorgeht.

So wagten im Jahr 2010 insgesamt 417.000 Existenzgründer den Schritt ins eigene Gewerbe. Im vergangenen Jahr waren es nur 309.900. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 lag die Zahl sogar bei 572.500. Die Bundesregierung beruft sich bei den Angaben auf Daten des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und auf den KfW-Gründungsmonitor.

Die Wirtschaftsexpertin der Grünen, Kerstin Andreae, kritisierte angesichts der Daten: "Deutschland ist Gründungsentwicklungsland. Die Bundesregierung redet viel über Innovation und Gründungskultur. Konkret tut sie allerdings kaum etwas, um die rückläufigen Gründungen in Deutschland abzuwenden." Die Grünen-Politikerin kritisierte, Gründer müssten zurzeit im ersten Jahr die fällige Umsatzsteuer monatlich erklären und abführen. Das sei "aufwendig und geradezu absurd" Sie forderte: "Gründerinnen und Gründer brauchen Welpenschutz." Sie sollten in den ersten beiden Jahren loslegen können, ohne von "Regeln und Bestimmungen" erschlagen zu werden.

Seit 2003 gab es der Bundesregierung zufolge insgesamt 7,9 Millionen Existenzgründungen, die meisten davon im Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information und Kommunikation. Etwa 30 Prozent der Gründer müssen ihr Geschäft innerhalb der ersten drei Jahre wieder aufgeben.

Für den Arbeitsmarkt sind die Gründungen relevant. Allein im Jahr 2014 lag der Brutto-Beschäftigungseffekt bei 745.000 Vollzeitstellen, wie die Regierung in ihrer Antwort schreibt. Davon entfielen 452.000 auf die Gründer selbst und 292.000 auf Mitarbeiter.

Als Erklärung zu den seit 2003 stark gesunkenen Zahlen an Existenzgründungen heißt es: "Insbesondere das im Vergleich zu 2003 derzeit deutlich höhere Beschäftigungsniveau und die niedrigere Arbeitslosenquote haben tendenziell einen dämpfenden Effekt auf die Gründungsdynamik."

Das Armutsrisiko ist für Selbstständige leicht höher als für abhängig Beschäftigte. Bei den Selbstständigen müssen 9,1 Prozent mit einem relativ niedrigen Einkommen leben, bei den Angestellten sind es 7,7 Prozent.

(RP)
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