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Studie des Deutschen Aktieninstitut: Zahl der Aktionäre eingebrochen

Studie des Deutschen Aktieninstitut : Zahl der Aktionäre eingebrochen

Frankfurt/Main (RPO). Mehr als eine Million deutscher Aktionäre haben sich im zweiten Halbjahr 2008 von der Börse verabschiedet. Aus einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) geht hervor, dass nur noch 13,5 Prozent der Bevölkerung in Aktien oder Aktienfondsanteile investieren. 2001 waren es noch fast 20 Prozent.

Für die meisten Aktionäre war 2008 ein Jahr des Grauens: Allein die größten 30 Werte im DAX verloren innerhalb eines Jahres mehr als 40 Prozent an Wert. Besonders die Besitzer von Aktienfonds gaben ihre Titel zurück. Jeder siebte Anleger in Aktienfonds habe sich im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres von seinen Fondsanteilen getrennt, berichtete das Institut. Die Zahl der Besitzer von Anteilen an Aktienfonds oder Gemischten Fonds sank insgesamt von 7,7 Millionen auf 6,6 Millionen.

Weniger beeindruckt von der aktuellen Vertrauenskrise an den Börsen zeigen sich laut DAI Direktaktionäre. Ihre Zahl lag auch im zweiten Halbjahr unverändert bei rund 2,2 Millionen. Insgesamt sank die Zahl der direkten Aktionäre seit dem Höchststand im Jahr 2000 jedoch um 42 Prozent.

Seit Jahren rückläufige Aktienakzeptanz

"Die seit Jahren rückläufige Aktienakzeptanz breiter Bevölkerungsschichten entwickelt sich zu einem gravierenden Problem", sagte DAI-Chef Rüdiger von Rosen. Neben der aktuellen Vertrauenskrise seien auch die steuer- und gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen nicht gerade aktienfreundlich. Mit der Versechsfachung der Bemessungsgrundlage für Aktienerträge im Rahmen der Einführung der Abgeltungsteuer werde die Aktie steuerlich erheblich diskriminiert, kritisierte er.

Die Abgeltungssteuer wird von diesem Jahr an direkt von den Banken auf Zinsen, Dividenden und Kurse abgeführt. Der Steuersatz beträgt 25 Prozent, dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Mehrheit der Aktienbesitzer sind Arbeitnehmer

Solche Regelungen dienten weder der Aktie noch den Arbeitnehmern, die in Deutschland traditionell zur Mehrheit der Aktienbesitzer zählten, erklärte das DAI. 5,1 Millionen Aktienbesitzer sind demnach Beamte, Angestellte oder Arbeiter. Weitere 2,3 Millionen Anleger zählten zum Kreis der Rentner oder Pensionäre, rund 800.000 seien Hausfrauen und Auszubildende.

Um die die Aktienanlage bei breiten Bevölkerungskreisen zu fördern statt zu behindern, müsste für noch mehr Arbeitnehmer die Beteiligung am Mitarbeiterkapital attraktiver werden, forderte der DAI. Dies entlaste nicht nur die langfristig die sozialen Sicherungssysteme, sondern stärke auch die Akzeptanz der Wirtschaftsordnung.

Die jüngsten Aktionärszahlen beruhen laut DAI auf einer Infratest-Befragung von rund 30.000 Anlegern.

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(AP)