Untergetauchter Verdächtiger im Wirecard-Skandal Erstes Lebenszeichen nach drei Jahren von Jan Marsalek

München · Überraschung im Wirecard-Skandal: Der seit drei Jahren untergetauchte Hauptverdächtige Jan Marsalek hat sich über seinen Verteidiger bei der Münchner Justiz gemeldet.

 Ein Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek (Archivbild).

Ein Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek (Archivbild).

Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Beim Landgericht München I sei ein Brief des Anwalts eingegangen, sagte ein Sprecher des Gerichts am Dienstag. Zuerst hatte die „Wirtschaftswoche“ berichtet. Inhalt und Einzelheiten des Briefs nannte der Gerichtssprecher nicht.

Der von der Münchner Justiz verfolgte Marsalek ging dem Bericht zufolge in dem Schriftstück seines Anwalts nicht konkret auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein. Allerdings habe er sich zu dem Drittpartnergeschäft des insolventen Bezahldienstleisters geäußert und zu verstehen gegeben, dass dieses existiert habe.

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Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Das Drittpartnergeschäft ist ein zentrales Thema des Wirecard-Prozesses, der gerade gegen den früheren Konzernchef Markus Braun läuft. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es dieses Geschäft nicht gab - Braun hingegen sagt, es habe existiert.

Laut „Wiwo“ äußerte sich Marsalek in dem Schriftstück wohl auch zu den unterschiedlichen Verfahrensbeteiligten. In Justizkreisen heiße es, dass Marsalek vor allem den Mitangeklagten Oliver B. belastet habe, der als Kronzeuge der Anklage gilt. B. war lange Zeit Wirecards Statthalter in Dubai. Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens belastete er Braun und seinen ehemaligen Kollegen Stephan von E.

Marsalek soll dem Gericht laut „Wiwo“ zu verstehen gegeben haben, dass B. in mehreren Punkten nicht die Wahrheit sage. Der Verteidiger von B., Florian Eder, sagte der Zeitschrift zu den angeblichen Vorwürfen: „Man kann viel schreiben und viel sagen, man muss aber nicht alles glauben“.

Braun erleidet Niederlage vor Gericht

Derweil hat der ehemalige Chef des insolventen Zahlungsdienstleisters, Markus Braun, im Streit um zehn Millionen Euro aus einer Managerhaftpflichtversicherung eine Niederlage vor Gericht erlitten. Das Landgericht Düsseldorf wies am vergangenen Donnerstag (13. Juli 2023) Brauns Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Versicherung Swiss Re ab. Er kann dagegen noch Berufung einlegen.

Braun wollte die Versicherung mit der einstweiligen Verfügung zwingen, für die Kosten seiner Verteidigung die Summe von zehn Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Abgeschlossen hatte die Versicherung Wirecard.

Das Gericht schloss sich aber nach Angaben einer Pressesprecherin „in erster Linie“ der Argumentation der Versicherung an, die sich auf eine sogenannte Serienschadenklausel im Vertrag beruft. Sie ist demnach nicht zur Zahlung verpflichtet, weil es um Rechtsstreitigkeiten geht, die schon 2019 und damit vor Abschluss der Versicherung begonnen hatten. Eine „besondere Dringlichkeit“ sah das Gericht auch nicht, da die Versicherung die Zahlung bereits im August 2020 und im November 2022 ablehnte - Braun aber jetzt erst geklagt hatte.

Der ehemalige Wirecard-Chef sitzt seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft. Vor dem Landgericht München läuft seit Dezember 2022 der Prozess gegen ihn und zwei weitere ehemalige Manager wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Die Wirecard-Insolvenz ist einer der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik. Braun soll zusammen mit der restlichen Wirecard-Chefetage über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht und so hohe Kredite erschwindelt haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

(felt/dpa)