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Wirecard droht Verlust von Milliardenkrediten

Vorwurf der Bilanzmanipulationen : Wirecard droht Verlust von Milliardenkrediten

Der Dax-Konzern Wirecard taumelt. Als Reaktion auf die Manipulationsvorwürfe wurde ein Vorstandsmitglied bereits suspendiert. Dieser Freitag ist eine wichtiger Termin für den Zahlungsabwickler – mit Auswirkungen auf die Finanzlage.

Dem in einen Bilanzskandal verwickelten Dax-Konzern Wirecard droht der Verlust von Milliardenkrediten. Wenn das Unternehmen heute (Freitag) keinen von Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlegt, könnten Kredite von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden. Das hatte der Zahlungsdienstleister am Donnerstag bekannt gegeben.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Das Unternehmen ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner „Financial Times“ dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf. Am Donnerstag hatte Wirecard schließlich offenbart, dass die Bilanzprüfer Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro haben, die auf Treuhandkonten in Asien verbucht wurden.

Deswegen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) auch den Jahresabschluss nicht testiert. Ernst & Young vermutet Täuschungsabsicht. Wirecard fürchtet einen „gigantischen“ Milliardenbetrug und will Strafanzeige erstatten.

„Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einen Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist“, sagte Wirecard-Vorstandschef Markus Braun in einer Stellungnahme des Vorstands am Donnerstagabend. Unabhängig davon haben die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft angekündigt, den Fall unter die Lupe nehmen zu wollen.

Der Aufsichtsrat des bedrängten Unternehmens hatte am Donnerstagabend noch Vorstandsmitglied Jan Marsalek kalt gestellt, der als Vertrauter Brauns gilt. Marsalek war für das Tagesgeschäft verantwortlich und ist nun vorerst suspendiert. Stattdessen hat der Aufsichtsrat nun mit sofortiger Wirkung den US-Manager James Freis berufen, der für die Rechtstreue zuständig sein soll. Eigentlich hätte Freis seinen Posten erst am 1. Juli antreten sollen.

An der Frankfurter Börse hatte der Skandal am Donnerstag einen Ausverkauf der Wirecard-Aktien zur Folge. Die Papiere hatten zum Handelsschluss gut 60 Prozent verloren und waren nach Börsenschließung etwa acht Milliarden Euro weniger wert als einen Tag zuvor.

(anst/dpa)