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Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Gemkow: "Wir wollen bei Haniel für 2013 wieder Dividende zahlen"

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Gemkow : "Wir wollen bei Haniel für 2013 wieder Dividende zahlen"

Stephan Gemkow (53) ist seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender von Haniel. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über seine Zwischenbilanz und die künftigen Herausforderungen. Zudem stellt er für 2013 wieder eine Dividende in Aussicht, nachdem diese 2012 wegen der Milliarden-Verschuldung des Duisburger Familienkonzerns ausgefallen war.

Herr Gemkow, Sie sind jetzt genau ein Jahr Vorstandsvorsitzender bei Haniel. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Gemkow Als ich kam, war Haniel in einer schwierigen Lage. Der Konzern war hoch verschuldet, wir hätten das Schicksal bei weiteren Veränderungen in der Wirtschaft nicht mehr selbst in der Hand. Ich habe gesagt: Wenn wir nichts tun, droht Haniel vor die Wand zu fahren. Jetzt sind wir dabei, wieder an Spielraum zu gewinnen. Wir haben die Nettofinanzschulden des Konzerns auf rund 1,8 Milliarden Euro gesenkt und können sozusagen vom Feuerlösch- auf den Wachstumsmodus umschalten.

Das heißt?

Gemkow Wir stehen am Anfang einer Strategiefindung. Das heißt, wir identifizieren Geschäftsfelder der Zukunft. Das müssen nicht immer große Unternehmen sein. Es geht um Mega-Themen wie beispielsweise Gesundheit oder Verkehrs-Infrastruktur, in die wir in den nächsten Jahren investieren könnten . . .

. . . und für die Sie dann andere Beteiligungen, die noch in Portfolio sind, verkaufen?

Gemkow Wenn Sie auf die Metro anspielen — das ist derzeit kein Thema. Ich betreibe auch keine Ankündigungspolitik. Die Metro-Aktie macht uns deutlich weniger Sorgen als noch vor einem Jahr.

Aber irgendwann muss Haniel doch auch wieder eine Wertsteigerung seines Anteils verlangen.

Gemkow Natürlich will man als Großaktionär, der seinen Anteil vor einigen Jahren für 60 Euro je Aktie aufgestockt hat, auch mal wieder eine deutliche Kurssteigerung sehen. Daran arbeitet die Metro-Führung aber auch hart. Das ist echte Kärnerarbeit. Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit von Olaf Koch und seinem Team. Es gibt auch kein Dividenden-Diktat, das Haniel erhoben hätte.

War der Rauswurf aus dem Deutschen Aktien-Index nicht ein herber Rückschlag auch für Ihre Pläne?

Gemkow Keineswegs. Ich habe doch lieber einen gut geführten M-Dax-Konzern als einen Dax-Konzern, bei dem es Probleme gibt.

Der Handel hat — unabhängig von Ihren Beteiligungen — derzeit gravierende Probleme in Europa, vor allem wegen der großen Wachstumsprobleme in den Euro-Krisenländern. Ist Handel unter diesen Vorzeichen noch das richtige Investitionsfeld für Haniel?

Gemkow In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Wenn wir künftig in neue Geschäftsfelder investieren werden, dann wohl eher in handelsfernere, auch im Sinne einer ausgewogeneren Balance. Das heißt aber nicht, dass wir aus unseren bestehenden Handels-Beteiligungen einfach aussteigen. Das ginge so auch gar nicht.

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Aber Ihre Verschuldung ist so hoch —kommen Sie überhaupt ohne den Verkauf von Unternehmensteilen aus?

Gemkow Wir haben unsere Verschuldung bereits deutlich gesenkt - wir müssen also nichts mehr verkaufen.

Auch Ihre Pharmahandels-Tochter Celesio nicht?

Gemkow Auf dem Pharmamarkt ist derzeit vieles in Bewegung. Da lotet das Celesio-Management aus, was die beste Option für das Unternehmen ist — selbstständig zu bleiben, sich einen Bündnispartner zu suchen oder das Unternehmen zu verkaufen.

Aber Sie sind doch der Großaktionär.

Gemkow Das stimmt, aber ich bin auch Aufsichtsratsvorsitzender und damit dem Wohl des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und aller Aktionäre verpflichtet. Da kann man nicht als einzelner Anteilseigner, auch nicht als größter, über den Kopf anderer hinweg Entscheidungen treffen. Das ist nicht Stil unseres Unternehmens und wäre auch aktienrechtlich fragwürdig.

Bei Celesio ist jetzt Marion Helmes die Führungsfigur. Bleibt das so?

Gemkow Marion Helmes ist gerne Finanzchefin, aber sie war sofort bereit, in die Bresche zu springen und die Verantwortung als Sprecherin des Vorstands zu übernehmen. Wir sehen aktuell keinen Handlungsbedarf.

Aber sie ist nur eine Zwischenlösung.

Gemkow Frau Helmes macht einen hervorragenden Job, unaufgeregt und analytisch. Und sie genießt absolutes Vertrauen an den Finanzmärkten. Das ist in einer solchen Situation wie nach dem Abschied Ihres Vorgängers Markus Pinger sehr wichtig.

Wegen der hohen Konzern-Verschuldung bei Haniel ist für 2012 die Dividende an die Eigentümer ausgefallen. Droht das noch einmal?

Gemkow Nein, nach unseren Vorstellungen soll das ein einmaliger Vorgang bleiben. Wir wollen für 2013 wieder eine Dividende zahlen.

Aber auch der einmalige Ausfall dürfte die Gesellschafter schwer getroffen haben.

Gemkow Ja, aber sie hatten mehr als nur Verständnis für die Notwendigkeit dieser Maßnahme.

Wenn Haniel in den nächsten Jahren wächst und neue Geschäftsfelder erschließt — ist ein Zwei-Mann-Vorstand für ein solches Unternehmen dann nicht zu klein?

Gemkow Das kann schon sein. Aber damit beschäftigen wir uns wenn sich die Frage akut stellt.

Bei Siemens gab es zuletzt viel Ärger. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Unabhängig davon — schadet ein solches Hick-Hack nicht dem Ansehen deutscher Manager?

Gemkow Es schadet in erster Linie den Unternehmen und ich würde mir wünschen, dass man sich als Top-Manager öfter wieder an den Grundsatz "Company First" erinnert.

Zuletzt ist eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bekannt geworden, nach der das Ruhrgbiet in puncto Wirtschaftskraft hinter Städte in Ostdeutschland zurückfällt. Macht Ihnen als einem der großen Unternehmens-Vertreter die Entwicklung im Ruhrgebiet Sorgen?

Gemkow Uns bereitet schon seit Jahren die unzureichende Entwicklung des Ruhrgebiets Sorge. Ein Ballungsraum mit ungeahnten Möglichkeiten, leider haben dies noch zu wenige in Politik und Wirtschaft erkannt. Stattdessen sind in Bund und Land in den letzten Jahren viele Entscheidungen getroffen worden, die die Situation hier eher verschärft als gemildert haben. Gerade im Hinblick auf die Infrastruktur hat sich im Westen ein enormer Investitionsstau gebildet, der mit Priorität behoben werden muss. Nur dann kann sich auch Wirtschaft entfalten.

Sven Gösmann, Antje Höning und Georg Winters führten das Gespräch.

(gös)