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Höhere Steuern, geringere Preise: Wie wir die Krise zu spüren bekommen

Höhere Steuern, geringere Preise : Wie wir die Krise zu spüren bekommen

Düsseldorf (RPO). Die düsteren Vorhersagen der Wirtschaftsinstitute sind für viele Menschen weit weg. Doch das wird sich im Laufe des Jahres ändern. Ende 2009 wird die Krise auch den Durchschnittsbürger erreichen - wir sagen Ihnen, was auf Sie zukommt.

In diesem Herbst kommen die Wochen der Wahrheit: Die Arbeitslosigkeit wird die Marke von vier Millionen überschreiten und der derzeit noch stabile Konsum nachlassen. Immer mehr Menschen sind auf staatliche Unterstützung angewiesen und in den öffentlichen Haushalten treten immer neue Löcher auf. Auch wenn sie jetzt noch weit entfernt sind, die Konsequenzen der Krise werden fast alle zu spüren bekommen.

Arbeit: Die deutsche Industrie ist stark auf den Export fokussiert und hat besonders unter dem lahmenden Welthandel zu leiden. In vielen Betrieben läuft Kurzarbeit - doch ewig wird sich diese nicht verlängern lassen. Erste Entlassungswellen werden für den Sommer erwartet. Die Arbeitslosigkeit soll bis Ende 2010 auf 4,7 Millionen steigen.

Diese Entwicklung dürfte vor allem gering qualifizierte Mitarbeiter und Leiharbeiter treffen. Wer gut ausgebildet, ambitioniert und flexibel ist, hat gute Chancen, seinen Job auch in der Krise zu behalten.

Löhne: In einigen Branchen sollen bereits vereinbarte Lohnerhöhungen verschoben werden. Angesichts der dramatischen Wirtschaftsprognosen dürften die Gewerkschaften Lohnzurückhaltung signalisieren. Wer in Kurzarbeit ist, muss zudem Lohneinbußen hinnehmen.

Preise: Die einzig gute Nachricht der Krise. Das Niveau der Verbraucherpreise ist rückläufig. In den letzten Monaten hat sich der Rückgang der Preise bei den Brennstoffen positiv bemerkbar gemacht und die Volkswirtschaft deutlich entlastet.

Als Faustregel gilt: Überall dort, wo viele Menschen wegen des knapper werdenden Geldes sparen, die Nachfrage also sinkt, dürten die Preise nachgeben. Das gilt beispielsweise für Reisen, Restaurants oder Kinos.

Staatliche Leistungen und Abgaben: Der rapide Anstieg der Kurzarbeit und demnächst auch die zunehmende Arbeitslosigkeit werden die Bundesagentur für Arbeit zum Handeln zwingen. Ihre milliardenschweren Rücklagen schmelzen dahin, auf der anderen Seite sinken die Einnahmen bei steigenden Ausgaben.

Zumindest der Arbeitnehmerbeitrag zur Arbeitslosenversicherung dürfte spätestens nach der Bundestagswahl angehoben werden. An eine Kürzung der Leistungen - auch bei dem steuerfinanzierten ALG II - wird sich keine Partei wagen.

Steuern: Die Haushaltskonsolidierung, das Prestigeprjekt von Finanzminister Peer Steinbrück, ist Schnee von gestern. 2009 muss sich der Staat laut Frühjahrsgutachten 89,2 Milliarden und 2010 132,5 Milliarden Euro pumpen. Bund, Länder und Kommunen müssen wegen der steigenden Verschuldung künftig höhere Zinsen zahlen - für andere Projekte stehen dann weniger Mittel zur Verfügung. Investitionen werden zurückgefahren.

Die Einnahmen des Staates werden ohnehin leiden: Eine nachlassende Wirtscaftsleistung bedeutet weniger Mehrwertsteuer, Steuern auf Unternehmensgewinne, Mineralölsteuer etc. Noch ist nicht abzusehen, wie groß das Loch sein wird. Im Mai steht eine Steuerschätzung an.

Fest steht: Nach der Wahl wird es Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen geben. Das wird vorher natürlich keiner zugeben.

Hier geht es zur Infostrecke: Frühjahrsgutachten 2009: Schlechte Aussichten für Deutschland