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Wie Vodafone die Funkmasten an die Börse bringen will

Düsseldorf/London : Vodafone will Funkmasten an die Börse bringen

Mit etwa 20 Milliarden Euro könnte der Düsseldorfer Ableger Vantage Towers bewertet werden, wenn Vodafone die Funkturmfirma an die Börse bringt. Auch die Telekom könnte profitieren. Die Arbeitnehmervertreter bei Vodafone sind dagegen weniger begeistert, weil sie das stabile Geschäft nicht weggeben wollen.

Die Vorbereitungen für einen der größten Börsengänge eines NRW-Unternehmens in den vergangenen Jahren gehen in ihre entscheidende Phase. Bislang gehörten rund
68.000 Funktürme und andere Standorte für Mobilfunktechnik in Europa zum Portfolio des Düsseldorfer Vodafone-Ablegers Vantage Towers. Am Montag gab das Unternehmen bekannt, dass die aus London gesteuerte Vodafone-Gruppe bei Vantage Towers auch noch die Hälfte seiner britischen Funkturmtochter Cornerstone einbringt, die die 14.000 britischen Funkstandorte von Vodafone und Telefónica (O2) gemeinsam verwaltet. Damit steigt die Zahl der Funktürme im Portfolio von Vantage Towers auf 82.000.

Die Vodafone-Tochter ist damit gut gerüstet, um beim für das Frühjahr geplanten Börsengang auf eine Bewertung von etwa 20 Milliarden Euro zu kommen. Damit wäre Vantage Towers eines der 20 wertvollsten NRW-Unternehmen an der Börse. In Düsseldorf wäre es nach dem Waschmittelhersteller Henkel sogar das zweitwertvollste Unternehmen. Rund vier Milliarden Euro könnte Vodafone beim Verkauf von rund einem Fünftel der Papiere einnehmen, schätzen Branchenkenner. Dieses Geld soll dann in den Ausbau der Mobilfunknetze oder Dividenden gesteckt werden.

Der entscheidende Clou bei der Abspaltung von Vantage Towers ist aber, dass die Telefonkonzerne indirekt stärker zu einer Zusammenarbeit beim Erschließen neuer Standorte kommen könnten. Vantage Towers wird natürlich weiterhin die Standorte für Funkstationen von Vodafone auf Masten, auf Hochhäusern, neben Eisenbahnleitungen oder auch in Flughäfen, Bahnhöfen und Einkaufszentren verwalten.

Aber das Unternehmen ist wohl auch bereit, Standorte von Funkstationen der Vodafone-Wettbewerber zu betreuen. „Das ist eine interessante Perspektive für das Unternehmen und für die ganze Branche“, sagt Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor aus Duisburg und langjähriger Kenner des Telekommunikationsmarktes. Gerpott ergänzt: „Aus Sicht von Vantage Towers können die Umsätze steigen, wenn das Unternehmen auch viele Funkstationen anderer Firmen gegen eine Miete aufnimmt. Aus Sicht der Wettbewerber wie der Telekom kann es dagegen günstiger sein, Untermieter bei Vantage Towers zu sein anstatt mühselig und teuer weitere Standorte suchen zu müssen.“

Dabei arbeiten die Telefonkonzerne in Deutschland schon jetzt immer enger zusammen, wenn sie Standorte für Funksender suchen. In einem großen Projekt wollen Telekom, Vodafone und Telefónica in Deutschland 6000 neue Standorte dort aufbauen, wo es bisher überhaupt keinen Handyempfang gibt. In diese Standorte könnten dann alle drei Unternehmen ihre Technik einbauen. Als weiteres Vorhaben haben Vodafone und Telekom vereinbart, dass jeder von ihnen den Konkurrenten rund 2000 Standorte mitbenutzen lässt. Hier hatte aber das Bundeskartellamt Bedenken angemeldet, weil Telefónica als Branchendritter diskriminiert werden könnte. Telekom und Vodafone erklären dagegen, jeder Wettbewerber könne einsteigen, sofern er einen fairen Anteil des Ausbaus übernehmen würde.

Dabei planen alle Unternehmen einen schnellen weiteren Ausbau der Netze, um die neue Funktechnik 5G auch gut nutzen zu können. So wird geprüft, zehntausende von Straßenlaternen mit 5G-Stationen zu versorgen, um so auch Wohnhäuser besser zu versorgen.

Auf dem Land müssten eigentlich entlang aller Landstraßen und Kreuzungen neue Antennen aufgebaut werden, um künftig autonom fahrende Autos per 5G-Signal vor anderen Fahrzeugen warnen zu können. „So könnten Fahrzeuge Daten austauschen, mit denen sie um die Ecke schauen könnten“, sagt Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter.

Vantage Towers wird in zehn Ländern Europas die Vodafone-Funkstandorte übernehmen. Zumindest in Deutschland waren die Arbeitnehmervertreter nicht nur begeistert. Einerseits stehe Vodafone insbesondere im Vergleich zu Telefónica nur deshalb relativ gut da, weil sich das Unternehmen für die Funkstationen gute Standorte gesichert habe, lautet ein Argument. Dieser Vorsprung könnte schwinden, wenn Wettbewerber sich einmieten.

Außerdem fanden die Arbeitnehmer es nicht gut, dass Vodafone eine feste Pacht an Vantage Towers zahlen muss, obwohl die Geschäftsaussichten schlechter werden könnten.