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Düsseldorfer Energieversorger: Wie Eon 6000 Jobs abbauen will

Düsseldorfer Energieversorger : Wie Eon 6000 Jobs abbauen will

Frühpensionierungen, hohe Abfindungen, eine Beschäftigungsgesellschaft – das haben Betriebsräte und die Gewerkschaften Verdi und IG BCE durchgesetzt. Externe Bewerber, Aktionäre und der Staat haben das Nachsehen.

Frühpensionierungen, hohe Abfindungen, eine Beschäftigungsgesellschaft — das haben Betriebsräte und die Gewerkschaften Verdi und IG BCE durchgesetzt. Externe Bewerber, Aktionäre und der Staat haben das Nachsehen.

Rente mit 67? War da mal was? Zumindestens nicht bei Eon. Wer dieses Jahr 54 wird, kann Ende nächsten Jahres in Ruhestand gehen. Rund 60 Prozent des vorherigen Nettogehalts soll es weiterhin geben, ab 63 folgt dann die vorgezogene Rente mit Abschlägen.

"Das passt nicht in die Zeit", kritisiert der FDP-Bundestagsabgeordnete Heinrich Kolb, "die Unternehmen sollten eher auf längere Beschäftigungszeiten ihrer Mitarbeiter achten. Zum Glück sorgt der Rentenabschlag von aktuell sieben Prozent in solchen Fällen dafür, dass die Rentenversicherung keinen Nachteil hat."

Erneut zeigt sich, dass Jobkahlschlag in Deutschlands Konzernen fast nicht durchsetzbar ist. Mit betriebsbedingten Kündigungen hatte Eon-Chef Johannes Teyssen indirekt gedroht, jetzt ist das Thema vom Tisch — Frühverrentung, Abfindungen und eine Beschäftigungsgesellschaft sollen helfen. "Der soziale Friede ist den Unternehmen so wichtig, dass dafür ein hoher Preis gezahlt wird", sagt der frühere VW-Vorstand Klaus Kocks, "und die Gewerkschaften sind stark genug, um wichtige Zugeständnisse durchzusetzen."

Die Vorteile dieser Politik sind offensichtlich: So wenige Streiks wie in Deutschland gibt es fast nirgends. Dank Sozialpartnerschaft blieben die Lohnsteigerungen deutlich hinter den Euro-Nachbarländern zurück. Das Ausbildungsniveau ist höher als in fast jedem anderen Land. Die Leute sind ihren Betrieben relativ treu und wechseln nicht bei jedem Jobangebot.

1,2 Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr

Das alles hat nun bei Eon seinen Preis. Die 1,2 Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr im Konzern sind schon ein schönes Angebot — vor dem Arbeitsgericht gibt es in der Regel an sich nur ein halbes Gehalt. Doch es kommen zwei Leckerbissen hinzu: Die zusätzliche "Sprinterprämie" von 0,3 Monatsgehalt pro Jahr bei Eon gibt es ohne Zeitlimit — und damit faktisch für jeden Mitarbeiter, der nun geht. Und gleichzeitig können viele Kollegen ihre Abfindung steuerlich halbwegs günstig auszahlen lassen. Wer dieses Jahr noch das volle Gehalt bei Eon mitnimmt und die Abfindung sich erst nächstes Jahr auszahlen lässt, muss deutlich weniger Steuern zahlen — es sei denn, dass er oder sie einen genauso gut bezahlten Job als unmittelbaren Anschluss gefunden hat.

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Modell Deutschland — das bedeutet auch Investitionen in die Menschen. Eon gründet ähnlich wie die Deutsche Telekom eine eigene Beschäftungsgesellschaft und zahlt die Mitarbeiter zwei Jahre lang voll weiter, doch das ist nicht alleine der Knackpunkt. "Eon ist ein Top-Konzern mit hohem Anspruch", sagt Betriebsratschef Hans Prüfer unserer Zeitung, "und darum wollen wir den Leuten auch anbieten, möglicherweise in der Beschäftigungsgesellschaft einen neuen Berufsabschluss zu machen."

Die Strategie ist erfolgsversprechend: Nach Schätzungen bekommen rund 80 Prozent der Mitarbeiter von Unternehmen, die in eine Beschäftigungsfirma wechseln, einen neuen Job — einmal im Konzern, fast nie arbeitslos, das ist das Ergebnis. Und obwohl Eon an sich 6000 Mitarbeiter in Deutschland loswerden will, ist der Streit nicht vorbei. Prüfer: "Wir kämpfen für jeden Mitarbeiter. In einem internen Arbeitsmarkt suchen wir neue Stellen in jetzigen und künftigen Bereichen des Konzerns."

Wer das alles zahlt, ist klar: Mindestens eine Milliarde Euro werden Abfindungen, Vorruhestand und Umschulungen kosten. Das wird steuermindernd in die Bilanz für 2011 gepackt, senkt aber auch den Gewinn. Gleichzeitig haben Verdi und IG BCE durchgesetzt, dass externe Bewerber viel weniger Chancen auf einen Job bei Eon haben: Interne Bewerber bekommen noch mehr Vorfahrt. Außerdem soll es deutlich weniger Berater oder freiberufliche Mitarbeiter geben. Denen droht nun das Vertragsende.

(RP/felt/rm)