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Kommt Hilfe für den angeschlagenen Stahlkonzern?: Wie die RAG ThyssenKrupp retten soll

Kommt Hilfe für den angeschlagenen Stahlkonzern? : Wie die RAG ThyssenKrupp retten soll

Die Kohle-Stiftung RAG könnte dem Stahlkonzern ThyssenKrupp Spielraum geben. Doch dazu müsste Berthold Beitz auf Werner Müller zugehen.

Die Villa Hügel, von der aus Berthold Beitz die Fäden bei ThyssenKrupp zieht, ist nur wenige Kilometer von der RAG-Stiftung entfernt, an deren Spitze Werner Müller steht. Gut möglich, dass die beiden Patriarchen des Reviers bald mehr verbindet als gute Nachbarschaft. Die RAG-Stiftung könnte zum Retter des angeschlagenen ThyssenKrupp-Konzerns werden — so jedenfalls gehen die Gedankenspiele in Essen und Düsseldorf. Allerdings müsste Beitz dazu auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Müller zugehen.

Die Lage von ThyssenKrupp Die Stahlwerke in Amerika sind zum Milliarden-Grab geworden und ihr Verkauf kommt nicht voran. Zwar soll ThyssenKrupp ordentliche Angebote für das Werk in Alabama haben, für die 1,5 Milliarden Euro geboten werden, wie es in Branchenkreisen heißt. Doch für das Werk in Brasilien gebe es keine ernstzunehmende Offerte. Nur der dortige Partner Vale sei bereit, den ThyssenKrupp-Anteil zu übernehmen, wenn die Deutschen etwas drauflegen. ThyssenKrupp sagte dazu: "Wir befinden uns in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf von Steel Americas mit einem führenden Bieter. Wir konzentrieren uns unverändert darauf, zeitnah eine Einigung zu erreichen."

Nach dem Verkauf plant ThyssenKrupp eine Kapitalerhöhung — offenbar im Umfang von gut 780 Millionen Euro. Möglichst im September soll sie über die Bühne gehen. "Es gibt derzeit weder eine Entscheidung noch konkrete Planungen für eine Kapitalerhöhung. Eine solche Maßnahme kann jedoch grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden", heißt es bei ThyssenKrupp dazu. Mit einer Kapitalerhöhung würde der Konzern genug Geld einnehmen, um seine Kreditlinien sicherzustellen, heißt es weiter. Doch unternehmerischen Spielraum hätte er nicht gewonnen. Deshalb werde in Essen über weitere Kapitalmaßnahmen nachgedacht — und dabei könnte die RAG-Stiftung als neuer Partner ins Spiel kommen.

Die Lage der RAG-Stiftung Die RAG-Stiftung verwaltet ein Milliarden-Vermögen, aus dessen Zinsen sie nach 2018 die Ewigkeitslasten des Bergbaus (Abpumpen der Gruben) finanzieren muss. Laut Satzung soll die Stiftung ihr Vermögen in Finanzanlagen, Ausleihungen und Beteiligungen stecken. Sie ist bereits am Chemiekonzern Evonik beteiligt, will sich aber breiter aufstellen. Und das könnte eine (wie auch immer geartete) Beteiligung an ThyssenKrupp sein. Die Stiftung sagte dazu, dies sei ein sattsam bekanntes Gerücht. Klar ist, dass die RAG-Stiftung einen solchen Schritt nicht ohne Rückendeckung der Politik machen kann, welche sie über das Kuratorium kontrolliert. Da ist es praktisch, dass NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowohl die RAG-Stiftung als auch die Krupp-Stiftung kontrolliert. Das Kalkül der RAG-Stiftung scheint dies zu sein: Schafft ThyssenKrupp die Wende, erhält die Stiftung ordentlich Dividende. Schafft ThyssenKrupp die Wende nicht und wird aufgespalten, würde die RAG-Stiftung vom Verkauf der Anteile profitieren. Aber auch der Hinweis auf die weltweit 150 000 Arbeitsplätze bei Thyssen Krupp, davon allein 14 000 in Duisburg, dürfte bei Politik und Gewerkschaft verfangen.

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Die Haltung der Krupp-Stiftung Zunächst aber liegt der Ball bei Beitz. Er müsste bei der RAG-Stiftung anklopfen. Der 99-Jährige hat seinen Stolz, doch die Lage ist vertrackt. Schon die erste Kapitalerhöhung kann die Krupp-Stiftung kaum mitgehen, ihr Anteil an ThyssenKrupp droht von 25 Prozent auf einflusslose 17 Prozent zu fallen. Da scheint ein neuer industrieller Eigentümer aus dem Revier berechenbarer zu sein als womöglich ein (Finanz-)Investor. Zudem ist Beitz in der wechselvollen Konzern-Geschichte schon oft neue Wege gegangen: In den 1960er Jahren besorgte er Bürgschaften vom Staat, in den 1970er Jahren Hilfen aus dem Iran, und vor 15 Jahren überraschte er mit der Fusion von Thyssen und Krupp. Alles ist möglich, wenn es dem Krupp-Erbe dient.

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(RP)