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Nach dem Tod des Chefs der Krupp-Stiftung: Wie der Beitz-Nachfolger gewählt wird

Nach dem Tod des Chefs der Krupp-Stiftung : Wie der Beitz-Nachfolger gewählt wird

Die streng geheime Satzung der Krupp-Stiftung lässt dem Kuratorium die Wahl: Es kann den Beitz-Nachfolger zum "großen Ruhrbaron" mit großer Macht küren oder zum "kleinen Ruhrbaron" mit weniger Macht und kurzer Amtszeit.

ThyssenKrupp ist angeschlagen. Deshalb hat die mächtige Krupp-Stiftung als größter Einzelaktionär bei der Suche nach einem Nachfolger für den am Dienstag verstorbenen Berthold Beitz nicht viel Zeit. Voraussichtlich wird der neue Chef der Krupp-Stiftung schon in wenigen Wochen gekürt.

Kenner werden dann genau auf den formalen Titel des neuen Ruhrbarons achten: Wird er als einfacher "Vorsitzender" des Stiftungs-Kuratoriums berufen, oder als "geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied"? Die streng geheime Satzung der Krupp-Stiftung sieht beide Möglichkeiten vor. Sie unterscheiden sich erheblich.

Als "geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied" wäre der Beitz-Nachfolger wieder ein echter Patriarch mit ähnlich weit reichenden Kompetenzen. Als einfacher "Vorstand" wäre seine Macht deutlich kleiner. Außerdem müsste er bei dieser Variante mit dem Makel leben, dass die Krupp-Stiftung ihm bewusst weniger Befugnisse als möglich erteilt — sichtbar für alle, die die Satzung der Stiftung kennen. Der Beitz-Nachfolger wird also entweder ein "großer Ruhrbaron" oder ein "kleiner".

Kuratorium besteht aus sieben bis zwölf Mitgliedern

Die Stiftung verwaltet das Milliardenerbe der Krupps für wohltätige Zwecke. Laut Satzung besteht sie aus zwei Organen, dem Kuratorium und dem Vorstand. Unter Paragraf 11 der Satzung ist die Hierarchie definiert: "Der Vorstand führt die laufende Verwaltung des Stiftungsvermögens; er ist dem Kuratorium verantwortlich und hat dessen Beschlüsse auszuführen."

Beitz war als Vollstrecker des Krupp-Erbes auf Lebenszeit sowohl Vorsitzender des Vorstandes als auch geschäftsführendes Mitglied des Kuratoriums. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" vom März kündigte Beitz aber noch an, dass Kuratorium und Vorstand nach seinem Tod getrennt würden. Eine entsprechende Vorratssatzung sei schon vor Jahren verabschiedet worden. Der neue Ruhrbaron wird also nur Chef des Kuratoriums, aber keinesfalls auch des — ohnehin weniger wichtigen — Vorstandes.

Das Kuratorium hat sieben bis zwölf Mitglieder. Die ersten durfte Beitz als Vollstrecker des Krupp-Erbes selbst berufen, alle späteren wurden vom Kuratorium bestimmt. "Eines der Mitglieder kann zum geschäftsführenden Kuratoriumsmitglied berufen werden", heißt es in Paragraf 8 der Satzung, "die Amtszeit des geschäftsführenden Kuratoriumsmitgliedes kann bei der Berufung auf längstens zwölf Jahre festgesetzt werden. Erneute Berufungen sind zulässig."

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Geschäftsführendes Mitglied oder Vorsitzender

In Paragraf 9 steht: "Den Vorsitz im Kuratorium führt das geschäftsführende Kuratoriumsmitglied, sofern ein solches bestellt ist. Andernfalls wählt das Kuratorium aus seiner Mitte für die Dauer von je drei Jahren einen Vorsitzenden." Ein "geschäftsführendes Mitglied des Kuratoriums" hätte als neuer Stiftungschef also viermal mehr Zeit als ein Vorstand, um das Kuratorium, die Stiftung und damit auch den ThyssenKrupp-Konzern nach seinen Vorstellungen zu prägen. Zeit genug wohl auch, um das Kuratorium auf eine Verlängerung seiner Amtszeit einzuschwören.

Zudem hätte sein Stimmrecht wesentlich mehr Gewicht als die eines Stiftungschefs, der sich nur "Vorstand" nennen darf. Laut Satzung reicht im Kuratorium eine einfache Stimmenmehrheit für die Beschlüsse. Bei einem "Patt" entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Ein geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied hingegen kann das Kuratorium nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit zu überstimmen: "Ist ein geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied bestellt, so erfordern Beschlüsse gegen seine Stimme eine Zweidrittelmehrheit der Abstimmenden", so die Satzung.

Da dies in der Praxis kaum vorkommen dürfte, wäre der neue Stiftungs-Chef als "geschäftsführendes Mitglied" in der Praxis fast so mächtig wie Beitz es war. Also ein "großer Ruhrbaron" mit Potenzial zum neuen Patriarchen.

(rei)