Landesbank wird zerschlagen: WestLB: 60 Prozent aller Jobs fallen weg

Landesbank wird zerschlagen : WestLB: 60 Prozent aller Jobs fallen weg

Nach der Entscheidung der EU-Kommission über die Aufspaltung der Bank zeichnet sich ab, dass bis 2016 mehr als 2500 Arbeitsplätze wegfallen. Vorstandschef Dietrich Voigtländer ist enttäuscht darüber, wie wenig sich aus seiner Sicht die Bundesregierung bei den Verhandlungen gewehrt hat.

Wenn Dietrich Voigtländer über die Ausdauer der Bundesregierung in Sachen WestLB redet, dann schwingt da offenkundig viel Groll mit: "Die EU-Kommission ist bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung nicht auf großen Widerstand gestoßen. Das war beim VW-Gesetz ganz anders." Und: "Die Vertreter anderer Länder wissen in Brüssel besser, wo es lang geht, als deutsche Spitzenpolitiker, und sie werden dort auch anders behandelt." Und dann noch ein Schlag gegen die EU-Kommission: "Die haben Aufspaltung nur mit Zerschlagung übersetzt. Das empfinde ich als Nachtreten, aber so haben wir die Kommission im vergangenen Jahr ja kennengelernt."

Voigtländer ist enttäuscht — und mit ihm die Belegschaft. "Sie können sich vorstellen, dass die Stimmung vor Weihnachten auf dem Nullpunkt ist", sagt der Konzernchef. Bis 2016 werden dem notwendigen Stellenabbau mehr als 2500 Stellen zum Opfer fallen, allein in Düsseldorf dürfte nach internen Schätzungen von den derzeit noch 2000 Arbeitsplätzen nur die Hälfte übrigbleiben.

Voigtländer hat sich unter seinem Job in Düsseldorf etwas anderes vorgestellt, als eine Bank abzuwickeln. Genau das bedeutet das Ende der WestLB nämlich. Neben den 400 Mitarbeitern, die über die neu entstehende Verbundbank bei der Landesbank Hessen-Thürigen (Helaba) angedockt werden sollen, werden etwa 1800 Beschäftigte bei der Service Portfolio-Management Bank (SPM, nur ein vorläufiger Arbeitstitel) angesiedelt. Da sind schon 200 Mitarbeiter eingerechnet, die noch von Dritten kommen können — von Kunden, mit denen die SPM Geschäfte machen soll. Die SPM-Servicegesellschaft muss nach der Vereinbarung mit der EU-Kommission bis 2016 verkauft sein. Da kann es natürlich theoretisch sein, dass sie unter neuer Führung irgendwann mehr Personal braucht, aber das ist nur Theorie.

Fakt ist dagegen der Personalabbau bei der WestLB, der bis 2016 etwa 60 Prozent aller Vollzeitstellen treffen wird. Bis 31. Dezember 2012 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Und die will WestLB-Chef Voigtländer auch so begrenzt wie möglich aussprechen. Vorruhestand kommt nur für nicht mal 200 Mitarbeiter in Betracht, ein großer Teil der Belegschaft ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Wenn beispielsweise über Abfindungsregelungen der Stellenabbau planmäßig abläuft, soll die Frist für den Kündigungsverzicht jeweils um drei Monate verlängert werden.

Über Kosten des Umbaus will Voigtländer nichts sagen. Dass EU-Kommissar Almunia am Dienstag in Brüssel von annähernd sechs Milliarden Euro gesprochen hat, findet Voigtländer mutig und ergänzt: "Ich frage mich, ob Almunia nach EU-Recht solche Zahlen eigentlich nennen darf."

Die SPM, die Rechtsnachfolgerin der alten WestLB, soll nach der Vorstellung des Spitzenmanagers unter anderem ihr Geschäft mit der Verwaltung und Verwertung von Wertpapieren und Krediten machen. Die künftige Verbundbank und die "Bad Bank" sind als Kunden schon sicher, andere "Bad Banks" wie die der Hypo Real Estate könnten dazu kommen. Voigtländer sieht Wachstumspotenzial für das neue Unternehmen, das Standorte in Deutschland sowie in London, New York und Asien haben soll. Dieses Wachstum muss andererseits auch her, weil sich die Bank oder Teile davon andernfalls bis 2016 kaum verkaufen lassen.

Nachdem der Verkauf der WestImmo an Apollo geplatzt ist, wird wohl ein Volumen von 85 Milliarden Euro in die EAA verschoben. Allerdings gilt weiter, dass der Vorstand noch bis 30. Juni 2012 Zeit hat, die Immobilienbank oder Teile davon zu verkaufen. Die Bemühungen um den Verkauf von Aktivitäten liefen weiter, so Voigtländer.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik der WestLB-Krisen

(RP/felt/rm/das)