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Weniger Beschwerden und mehr Schlichtungen bei der Post

Verschwundene Pakte und nicht zugestellte Briefe : Weniger Beschwerden über die Post - aber der Ärger bleibt

Seit Jahren sind die Beschwerden über die Postzusteller gestiegen, doch nun sind die Zahlen rückläufig. Vorerst. Trotzdem bleibt jedes verschwundene Paket und jeder nicht zugestellte Brief ein Ärgernis für den Verbraucher.

Verschwindet ein Paket, ist der Frust groß. Auch dann, wenn ein Brief nicht zugestellt wird. In den letzten Jahren haben sich Bürger immer häufiger bei der Bundesnetzagentur über solche und andere Post-Probleme beschwert. Nun die Überraschung: Die Behörde verzeichnet nach Informationen unserer Redaktion eine Trendumkehr. Freilich nur für das erste Halbjahr dieses Jahres.

So ging beim „Verbraucherservice Post“ der Bundesnetzagentur „im ersten Halbjahr 2021 ein geringeres Beschwerdeaufkommen als im gleichen Vorjahreszeitraum“ ein, wie es in dem unserer Redaktion vorliegenden Bericht für die anstehende Beiratssitzung der Agentur am kommenden Montag heißt. Bis Ende Juni 2021 liefen demnach 7663 schriftliche Klagen auf. Das seien 2349 weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres gewesen. Damals waren es 10.012. Gründe dafür nennt die Behörde in ihrem Bericht nicht. Gleichwohl hatte sie schon öfter Verbesserungen bei den Post-Leistungen gefordert.

„Das Paket gab wieder am häufigsten Anlass, sich beim Verbraucherservice Post zu beschweren“, so die Bundesnetzagentur. Hauptgrund: „Qualitätsmängel bei der Zustellung“. So hätten sich die Verbraucher vor allem über fehlende oder mangelhafte Zustellungen pikiert, „oft auch ohne einen persönlichen Zustellversuch“.  Beim Brief sei es ähnlich gewesen. Wie oft ein Schreiben tatsächlich nicht ankommt, geben die Zahlen aber nicht wieder. Denn nicht jeder wendet sich dann an die zuständige Stelle. Wer Probleme hat beim Erhalt von Briefen oder Paketen, kann sich bei der Bundesnetzagentur melden, die als Regulierungsbehörde zuständig ist für die Post- und Paketbranche.

Mit 73 Prozent aller Beschwerdegründe stand nach wie vor die Deutsche Post AG an erster Stelle der Verbraucherkritik. Beim Brief entfielen auf das Unternehmen 92 Prozent aller Mängel, beim Paket 60 Prozent. Ganz oben auf der Liste standen demnach erneut die Städte Berlin und Hamburg.

Gestiegen ist demgegenüber die Zahl der Schlichtungsanträge. In der ersten Jahreshälfte 2021 erreichten die „Schlichtungsstelle Post“ 2010 Eingaben. Das sind mehr als doppelt so viele Anträge als im ersten Halbjahr 2020 mit 861. Die seit der Postgesetznovelle im März dieses Jahres bestehende Teilnahmepflicht der Postunternehmen an den Schlichtungsverfahren, wenn der Antrag von einem Verbraucher gestellt wird, habe zu dieser Entwicklung beigetragen, heißt es in dem Papier. „Hauptgründe für Schlichtungsbegehren waren der Verlust oder die Entwendung sowie die Beschädigung von Paketen.“ Die deutliche Mehrheit - über 80 Prozent - der Anträge bezog sich auf die Deutsche Post AG.

Insgesamt befördert die Post immer weniger Briefe: Im Jahr 2020 waren es laut Statistischem Bundesamt knapp 14,3 Milliarden, im Vorjahr noch 15,9 Milliarden. Ein Grund für die kleiner werdende Menge ist das Versenden von E-Mails oder die Nutzung anderer digitaler Kanäle.

(has)