Welche Flüge sind vom Ryanair-Streik am 28. September 2018 betroffen?

Auch Flüge in NRW betroffen: Am Freitag startet die nächste Streikwelle bei Ryanair

Auf den Billigflieger Ryanair rollt die nächste Streikwelle zu. Crews aus sechs verschiedenen europäischen Ländern wollen am Freitag ganztägig die Arbeit niederlegen - das kündigten die zuständigen Gewerkschaften an. Auch Flüge in NRW sind betroffen.

Trotzdem strich Europas größter Billigflieger bis Donnerstagnachmittag nicht einmal 200 Flüge aus dem Programm mit mehr als 2400 Verbindungen - die große Mehrheit der Beschäftigten werde ihren Dienst antreten.

Der Streik führt am Freitag auch in Nordrhein-Westfalen zu Flugausfällen. Neun von 17 Verbindungen an diesem Tag seien storniert worden, teilte der Flughafen Weeze auf Anfrage mit. Betroffen seien Maschinen von und nach Spanien (Girona, Alicante, Palma de Mallorca), Portugal (Faro), Marokko (Rabat), Italien (Bari, Bergamo und Ancona).

Auch am Düsseldorfer Flughafen sind die Folgen spürbar: Zwei Verbindungen mit Palma de Mallorca - also zwei Hin- und zwei Rückflüge - seien gestrichen worden, sagte ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Diese Maschinen sind von Ryanair, die Verbindungen wiederum von Laudamotion - die Wiener Firma hat Flugzeuge der Iren geleast.

Weitere Stornierungen sind möglich: Reisende werden gebeten, sich vor Abflug online über den Stand der Dinge zu informieren.

In Deutschland haben die Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten und Verdi für die Flugbegleiter zum Streik an allen deutschen Standorten aufgerufen.

Bereits am Mittwoch hatte Ryanair für Freitag 150 Europa-Flüge abgesagt. Diese Zahl erhöhe sich noch einmal um 35 bis 45 Streichungen, weil kurzfristig die VC ihre Teilnahme an dem Streik bekanntgegeben hatte. Das wären nur rund zehn Prozent des für Deutschland geplanten Programms. Eine Streichliste wurde erneut nicht veröffentlicht, dafür sollen betroffene Passagiere individuell informiert werden.

Die Vereinigung Cockpit bezweifelte, dass es nur zu geringen Auswirkungen auf den Flugverkehr kommen werde: „Es werden deutlich mehr als 35 Flüge ausfallen“, sagte VC-Sprecher Janis Schmitt. Beim letzten Streik der Piloten hatte Ryanair in Deutschland 150 von 400 Flügen abgesagt.

Ryanair riskiere mit der Absage nur weniger Flüge ein Luftverkehrs-Chaos, warnte die belgische Gewerkschaft CNE in Brüssel. „Indem es angesichts des morgigen Streiks nicht genügend Flüge annulliert, verhält sich Ryanair unverantwortlich und riskiert Spannungen und Unsicherheiten für Flughafenmitarbeiter, eigene Beschäftigte und Passagiere.“ Am Flughafen Charleroi etwa drohe angesichts von bis zu 20.000 erwarteten Passagieren Unruhe.

Die größte Ryanair-Basis in Deutschland ist der Flughafen Frankfurt. Dort plant Verdi - wie in Berlin-Schönefeld - am Freitag eine Kundgebung, zu der auch Kollegen anderer Standorte kommen sollen. In Frankfurt waren am Donnerstagnachmittag noch alle 22 geplanten Ryanair-Abflüge gültig.

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Nach mehreren regionalen Auseinandersetzungen ist für Freitag auch der zweite pan-europäische, gemeinsame Streik von Piloten und Flugbegleitern geplant. Beteiligt sind Beschäftigte aus Spanien, Portugal, Belgien, Italien, den Niederlanden und Deutschland. Das fliegende Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Verdi beklagte ein unzureichendes Angebot nach vier Verhandlungsrunden und warf dem Unternehmen Einschüchterungsversuche vor. Die überwiegende Mehrheit der Kabinenbeschäftigten arbeite in absolut unsicheren Beschäftigungsverhältnissen wie Leiharbeit, Probezeit, Kettenbefristungen und nach einem irischem Arbeitsstatut, kritisierte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Wettbewerbsbeschwerde bei der Europäischen Union eingelegt, weil sie hinter den europaweiten Absprachen das Personal verschiedener Konkurrenz-Airlines vermutet.

Von der Beteiligung der VC am Streik sei man überrascht und enttäuscht, betonten die Ryanair-Manager Kenny Jacobs und Peter Bellew in Dublin. Noch am Dienstag habe man in den Verhandlungen große Fortschritte gemacht und etwa akzeptiert, einen deutschen Staatsbürger als Schlichter zu berufen. Ryanair drückt nach eigenen Angaben aufs Tempo. Die Schlichtung könne in fünf bis sechs Wochen abgeschlossen sein, bis Jahresende könnten dann Mantel- und Gehaltstarifverträge abgeschlossen werden, sagte Bellew.

Einen so kurzen Zeitraum hält die VC für unrealistisch. Sie hatte die fehlende Schlichtungsvereinbarung als Grund für den erneuten Streik genannt. „Wir brauchen mehr Zeit und wollen keine falschen Versprechungen machen“, sagte Sprecher Schmitt. „Wir waren uns nicht einig, was wir schlichten wollen, wie wir schlichten wollen und wer geeigneter Schlichter sein könnte.“ So habe sich der Eindruck verfestigt, dass Ryanair auf Zeit spielen wolle.

Bellew betonte erneut, dass man bis Weihnachten sämtliche Piloten an den deutschen Basen direkt bei der Airline anstellen wolle. Derzeit seien es schon mehr als 90 Prozent. Sie sollten Verträge nach nationalem Recht erhalten und die Sozialabgaben an ihrem Arbeitsort zahlen. Einzig die Lohnsteuer sei nach irischem Recht im Heimatland der Airline zu entrichten und dort leider höher als in Deutschland. Hier hoffe er auf politische Unterstützung der Gewerkschaften, dies zu ändern.

Nationale Verträge sollen auch die Piloten erhalten, die ab Sommer an den zwei neuen Basen in Frankreich starten. Nach acht Jahren Abwesenheit kehrt der Billigflieger dorthin zurück und eröffnet mit jeweils zwei Flugzeugen Basen in Marseille und Bordeaux. Insgesamt suche man fünf Standorte, wobei Paris sicherlich eine sehr interessante Option sei, meinte Organisationschef Bellew. Ryanair hatte sich 2011 nach Streitigkeiten um Sozialversicherungen des Personals vom französischen Markt zurückgezogen.

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Die einheitlichen Boeing 737-Maschinen fliegen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an und operieren von 86 Basen in Europa und Nordafrika. Das hochprofitable Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 14 500 Menschen. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machte das Unternehmen bei 7,15 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro.

(felt/dpa)
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