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Weiterer Stellenabbau bei HSBC Trinkaus möglich

Düsseldorfer Bank : Weiterer Stellenabbau bei HSBC Trinkaus möglich

Das Geldhaus verdoppelt den Halbjahresgewinn, erhöht aber wegen der Corona-Krise die Risikovorsorge. Die Integration in die britische Mutter HSBC könnte künftig weitere Jobs kosten.

Die Corona-Krise wirbelt bei HSBC Trinkaus das Geschäft durcheinander: „Der historische Wirtschaftseinbruch ließ die Risikovorsorge um rund 130 Prozent steigen“, erklärte Vorstandssprecherin Carola von Schmettow. Damit will die Bank sich gegen drohende Ausfälle wappnen. Auf der anderen Seite profitiert sie aber auch von der Krise: So brachte sie für Unternehmen und andere Kunden im ersten Halbjahr Aktien und Bonds an den Kapitalmarkt, über den diese sich mehr als 100 Milliarden Euro beschafften. Im Vorjahreszeitraum war es nicht einmal halb so viel. So sichern sich die Kunden Liquidität, um für die Krise weiter gerüstet zu sein. Auch legte die Kreditvergabe um acht Prozent zu.

Im ersten Halbjahr verdoppelte sich der Gewinn von HSBC Trinkaus gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu auf 99 Millionen Euro. Das hat auch mit Sondereffekten im Vorjahr zu tun, und so bleibt Trinkaus mit Blick auf die Pandemie vorsichtig. Für das Gesamtjahr erwartet die Bank einen Gewinn vor Steuern, der leicht unter dem von 2019 liegen wird. Damals hatte die Bank einen Gewinn von 145 Millionen Euro eingefahren. „Das Ende der Pandemie und damit der gesamtwirtschaftlichen Durststrecke ist leider noch nicht in Sicht“, so von Schmettow.

Die Pandemie führt zu vermehrten Aktivitäten der nervösen Kunden: Die Bank wickelte drei Mal so viele Wertpapiertransaktionen ab wie im ersten Halbjahr 2019. „Auch hier haben die Systeme dem Ansturm Stand gehalten“, zeigte von Schmettow sich zufrieden. Das verlangte auch den Mitarbeitern viel ab. Zeitweise waren 90 Prozent der Händler und Kundenbetreuer im Homeoffice.

HSBC Trinkaus baut derzeit rund 300 seiner 3100 Stellen ab, aktuell ist man bei 3017 Stellen. Doch wenn das laufende Spar-Programm 2021 ausläuft, dürfte noch nicht Schluss sein. Die britische Mutter HSBC, die aktuell 99,3 Prozent hält, übernimmt Trinkaus komplett, wie sie im Mai angekündigt hatte. Im vierten Quartal könnte der Squeeze Out, das Herausdrängen der Minderheitsaktionäre, abgeschlossen sein. Dann dürfte sich der Mutterkonzern auch die Organisation genauer ansehen. Zwar ist die deutsche Tochter im Konzernvergleich sehr erfolgreich, doch dann werde man auch über weitere Einsparungen sprechen müssen, zumal die technische Entwicklung voranschreite, heißt es in Konzernkreisen.