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Zahlreiche Marken-Hersteller ziehen Preise an: Weitere Preiserhöhungen für Verbraucher

Zahlreiche Marken-Hersteller ziehen Preise an : Weitere Preiserhöhungen für Verbraucher

Düsseldorf (RPO). Von der Nivea-Creme über Persil bis zum Tesafilm: Auf die Verbraucher könnte eine neue Welle von Preiserhöhungen zurollen. Diverse Markenhersteller haben in den vergangenen Tagen angekündigt, ihre Produkte wegen der gestiegenen Rohstoffkosten künftig teurer abgeben zu wollen.

Angesichts der hohen Rohstoffkosten ließen sich Erhöhungen derzeit gut rechtfertigen, sagt Harald Schedl von der auf Strategie und Marketing spezialisierten Unternehmensberatung Simon-Kucher und Partner: "Es wird zu weiteren Preiserhöhungen kommen." Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels bezweifelt allerdings, dass die geplanten Erhöhungen einfach so durchgesetzt werden können.

Die Ankündigen kamen Schlag auf Schlag. So verkündete Beiersdorf am Dienstag mit Blick auf die Rohstoffkosten, dass Nivea-Creme, tesa und andere Produkte ab kommendem Jahr teurer werden sollen. Einen Tag später zog der Henkel-Konzern nach, zu dessen bekannten Marken Persil, Pritt und Fa gehören - das Unternehmen kündigte Preiserhöhungen von 5 bis 10 Prozent für Waschmittel, Klebstoffe und Kosmetikprodukte an. Besonders stark sei der Druck in der Waschmittelsparte. Und auch der europäische Marktführer bei Hausgeräten, die Bosch Siemens Hausgeräte GmbH, kündigte wegen höherer Kosten für Stahl und Energie Preisaufschläge an.

Der weltweit größte Lebensmittelhersteller, der Schweizer Nestlé-Konzern, erhöhte schon in den ersten sechs Montan kräftig die Preise. Das organische Wachstum des Unternehmens betrug 8,9 Prozent, davon entfielen 5,4 Prozent auf Preiserhöhungen. Die St. Galler Privatbank Wegelin merkte in einem Kommentar an: "Offenbar werden auch Nestle-Produkte gekauft, wenn die Geldbeutel strapaziert sind."

Starke Marken bieten Chancen für Hersteller

Starke Marken bieten nach Ansicht von Schedl tatsächlich die besten Chancen für Hersteller, eine Preiserhöhung am Markt durchzusetzen. "Nur für sie ist das ohne weiteres möglich." Weniger starke Marken erhielten dagegen zunehmend Konkurrenz von den Handelsmarken der Discounter, die deutlich stärker geworden seien, sagt der Experte. "Die sind für die Händler so attraktiv, dass sie viel daran gemacht haben." Sowohl die Qualität auch als die Vermarktung der Handelsmarken sei verbessert worden - damit stellen sie inzwischen eine nicht zu unterschätzende Alternative zu den teureren Konkurrenzprodukten dar.

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Bei den Top-Produkten der großen Hersteller seien Preiserhöhungen sehr wahrscheinlich, sagte Schedl. Das gelte vor allem für Randprodukte - jene Waren, die weniger häufig gekauft würden als die Produkte des täglichen Bedarfs. Die Preise von Milch, Brot oder Butter würden von den Verbrauchers dagegen aufmerksamer beobachtet.

Hohe Preissensibilität der Verbraucher

Die angekündigten Preiserhöhungen sind laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels allerdings längst noch nicht ausgemachte Sache. "Es muss nicht so sein, dass das in den Verhandlungen mit den Händlern auch erfolgreich sein wird", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Einzelhandel in Deutschland sei geprägt durch eine hohe Preissensibilität der Verbraucher und einen starken Konkurrenzkampf. Die Händler seien nun einmal die nächste Schaltstelle zum Kunden und müssten einschätzen, ob sich ein Produkt zu einem bestimmten Preis noch verkaufen lasse.

"Wir wissen, wie eng die Möglichkeiten sind", fügte er hinzu. Zwar seien die Preise für Rohstoffe und Energie für die Hersteller stark gestiegen - doch auch die Verbraucher seien durch die gestiegenen Energiekosten "schon sehr gebeutelt" - besonders in den mittleren und unteren Einkommensschichten. Daher werde es in einigen Fällen schwierig für die Hersteller, ihre Preisvorstellungen auch durchzudrücken.

Genth wies aber auch darauf hin, dass dass sich Verbraucher künftig häufiger auf Preisschwankungen einstellen müssten, wie zuletzt bei der Milch. Die Preise könnten nach oben, dann aber auch wieder nach unten gehen. "Das ist eine neue Übung für den Verbraucher."

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(ap)