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Warum Verdi bei Amazon streiken lässt

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen : Warum Verdi bei Amazon streiken lässt

Mitten im Weihnachtsgeschäft erhöht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Druck auf den Online-Versandhändler Amazon. Das Ziel: Tarifverhandlungen zu Bedingungen des Einzelhandels erreichen. Und so kommt es – wieder einmal – zu Streiks. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Mitten im Weihnachtsgeschäft erhöht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Druck auf den Online-Versandhändler Amazon. Das Ziel: Tarifverhandlungen zu Bedingungen des Einzelhandels erreichen. Und so kommt es — wieder einmal — zu Streiks. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Rund 300 Beschäftigte der Nacht- und Frühschicht am größten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld sind am Montag in den Streik getreten. Am Dienstag soll der Betrieb allerdings wieder normal laufen. Aber auch die Beschäftigten am Standort Leipzig hat Verdi am Montag zum Streik aufgerufen. Damit soll der Druck auf den weltgrößten Online-Versandhändler erhöht werden.

Konkret will Verdi erreichen, dass Amazon mit ihnen Tarifverhandlungen beginnt. Sie wollen für die Mitarbeiter des Versandhändlers einen Tarifvertrag nach den Konditionen im Einzelhandel. Amazon aber lehnt das ab und nimmt die Vereinbarungen der Logistikbranche zum Maßstab, wo weniger bezahlt wird.

Verdi und den streikenden Mitarbeitern wiederum geht es vor allem um bessere Arbeitsbedingungen, die man glaubt, mit einem anderen Tarifvertrag zu erreichen. "Amazon macht den Kunden derzeit viele Angebote zum Weihnachtsshopping", sagt Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. "Die Mitarbeiter hätten auch gern ein Angebot — ein Gesprächsangebot für bessere Arbeitsbedingungen."

Hohe Krankenstände beklagt

So hatte Mitte November der deutsche Amazon-Mitarbeiter Christian Krähling eine Online-Petition gestartet, in der er ebenfalls einen eigenen Tarifvertrag für sich und seine Kollegen fordert. Und er berichtet in seiner Petition, wie die Arbeitsbedingungen bei dem Versandhändler aussehen. Der Mann, der nach eigenen Angaben Kundanfragen in Bad Hersfeld bearbeitet, schreibt darin, dass er gern bei Amazon arbeite, der Job aber sehr hart sei.

So berichtet er von einer hohen Krankenquote von teils 20 Prozent und mehr. Auch Verdi beklage zu hohe Krankenstände, schreibt die Zeitung "Die Welt". Eine Umfrage unter Gewerkschaftsekretären und Betriebsräten in den meisten Standorten ergab demnach, dass der Krankenstand nirgends unter elf Prozent liege. An vier Standorten liege sie bei 15 bis 20 Prozent und in Leipzig bei 20 bis 25 Prozent.

Stefanie Nutzenberger, Vorstandsmitglied für den Handel bei Verdi, sagte der Zeitung, die hohen Krankenstände zeigten, wie wenig Wert Amazon darauf lege, die Gesundheit seiner Beschäftigten zu schützen. "Unzureichende Arbeitsmittel, Druck und Arbeitshetze, extrem lange Laufwege und zahlreiche unsichere, weil befristete Arbeitsverhältnisse machen Menschen, die bei Amazon arbeiten, krank." Ähnliches hatte auch Krähling in seiner Petition berichtet.

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Amazon: Gesundheit hat hohen Stellenwert

Dort schrieb er, dass "ein großer Teil" seiner Kollegen befristet eingestellt sei, viele nur bis zwei Jahre. Sie könnten ihr Leben nicht planen. Zudem sei jeder Arbeitsschritt überwacht, jeder solle "über dem Durchschnitt liegen, aber das ist mathematisch unmöglich!"

Amazon selbst will die Krankenstandszahlen weder dementieren noch bestätigen. Sprecherin Anette Nachbar sagte der "Welt", man arbeite beim Thema Gesundheitsmanagement eng mit den Betriebsräten und Krankenkassen zusammen. "Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben für uns einen hohen Stellenwert."

In Bezug auf die Streiks, zu denen es bereits seit 2013 immer wieder kommt, betont das Unternehmen übrigens immer wieder, dass die Mehrheit der Beschäftigten dem Aufruf nicht folge. Und so dürfte der Versandhändler auch in diesen Tagen kaum auf die Forderungen von Verdi eingehen.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie im Tarifstreit zwischen Verdi und Amazon

(das)