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Fördermenge wird deutlich reduziert: Warum die Öl-Scheichs mehr Geld brauchen

Fördermenge wird deutlich reduziert : Warum die Öl-Scheichs mehr Geld brauchen

Oran (RPO). Die Freude der deutschen Autofahrer an der Tankstelle dürfte ein schnelles Ende haben. Die Ölminister der Opec-Staaten beschließen heute, die Öl-Fördermenge deutlich zu reduzieren. Dies verlautete bereits aus Saudi-Arabien. Es ist die größte Senkung seit Einführung der Förderquoten 1982. Die Scheichs reagieren damit auf den derzeitigen Niedrig-Bedarf sowie eigene Geldsorgen.

Die tägliche Produktion soll um zwei Millionen Barrel gekürzt werden, kündigte der saudiarabische Ölminister Ali el Nuaimi im algerischen Oran an. Mit einer Verringerung der Fördermenge will die Opec den tiefen Preisen entgegenwirken. Die rosigen Zeiten für Autofahrer dürften damit schnell wieder vorbei sein. Der Liter-Preis für Benzin und Diesel war in der vergangenen Woche an einigen Tankstellen auf unter einen Euro gefallen.

Die Scheichs im Nahen Osten leiden massiv unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise. Während über Summen, die Öl-Magnaten an den Börsen verloren haben, nur spekuliert werden kann, lässt sich ihr Verlust auf dem Ölmarkt klar benennen. Aufgrund der sinkenden Nachfrage sackte der Ölpreis binnen weniger Wochen um 70 Prozent ab. Für kurze Zeit kostete ein Barrel weniger als 50 Dollar. Im Juli hatte der Preis noch bei 147 Dollar gelegen.

Zudem rechnet die Opec für 2009 mit einem weiteren Preisverfall, falls die Fördermenge nicht angepasst werde. Grund sei ein "gewaltiger" Nachfrageeinbruch in den Industrieländern. Im ersten Halbjahr dürfte die Nachfrage um durchschnittlich 1,3 Millionen Barrel pro Tag geringer ausfallen als 2008.

Milliarden-Städte aus dem Nichts geplant

Die Öl-Scheichs sind fest entschlossen, dass für sie die Zeit der Opfer vorbei ist. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" drücken einige Emirate zum Teil erhebliche Finanzsorgen. Da in wenigen Jahrzehnten ein Großteil der Ölvorkommen verbraucht sein wird, investieren die Staaten bereits jetzt Milliarden Dollar in die Infrastruktur für die Zeit nach dem schwarzen Gold.

In Saudi Arabien entsteht beispielsweise die "King Abdullah Economic City". Eine Stadt, die zwischen Mekka und Medina am Roten Meer aus dem Nichts aufgebaut wird. Dort soll eine moderne Dienstleistungsstadt entstehen, in denen junge Araber auch ohne Öl in Wohlstand leben können. Seehafen, Flughafen und Eisenbahnnetz inklusive. Die Kosten werden auf 27 Milliarden Dollar geschätzt. Experten gehen davon aus, das jeder Barrel-Preis unter 50 Euro solche Zukunftsprojekte scheitern lässt.

Die Organisation hat im laufenden Jahr bereits zweimal Produktionskürzungen um insgesamt zwei Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Die Opec wurde 1960 in Bagdad gegründet. Die Organisation besteht aus 13 Nationen. Dazu gehören unter anderem Irak, Saudi-Arabien und Kuwait. Auch Russland und Aserbaidschan unterhalten enge Beziehungen zur Opec.

(AFP)