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Supermarktkette mit Problemen: Warum das Kaiser's-Reich schrumpft

Supermarktkette mit Problemen : Warum das Kaiser's-Reich schrumpft

Die Supermarktkette verbucht in NRW seit Jahren sinkende Umsätze. Die Konkurrenz durch die Riesen Rewe und Edeka ist gewaltig, zudem machen Discounter Druck. Die Schließungen sind Teil des Umbauprogramms durch Tengelmann.

Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist hart umkämpft. Die Discounter sind im Preiskampf, und die beiden größten Supermarktketten Edeka und Rewe liefern sich mit Milliarden-Beträgen ein Wettrüsten um die schönsten, größten und modernsten Läden. Und mittendrin ist Kaiser's-Tengelmann. 27 nicht profitabel arbeitende Märkte der Kette sollen in NRW schließen, neun davon am Niederrhein. Das ist ein Ausdruck des Umbaus, den die Tengelmann-Gruppe ihrer Lebensmittel-Tochter verordnet hat, und des "anhaltenden Verdrängungswettbewerbs", den die Gruppe registriert.

2,13 Milliarden Euro Umsatz machten die Kaiser's-Supermärkte in den drei verbliebenen Regionen Nordrhein, Berlin und München 2012 - ein Rückgang um 0,5 Prozent. Die Konkurrenten Edeka und Rewe verzeichneten dagegen Zuwächse von mehr als vier Prozent. Vor allem NRW ist Kaiser's-Problemfeld: Während der Umsatz in Berlin und München auf vergleichbarer Verkaufsfläche noch zulegte, verlor die Region Nordrhein Marktanteile. Das wird sich in diesem Jahr beschleunigen, wenn die 27 Märkte aus der Rechnung fallen.

Profitabel ist die Supermarkt-Sparte für Tengelmann nicht. Für 2013 geht der Konzern erneut von einem operativen Verlust seiner Tochter aus. Die Handelsgruppe hat ihren Supermärkten ein neues Filialkonzept verordnet, das noch nicht in allen Niederlassungen umgesetzt ist. In neue Warenpräsentationen, breitere Gänge, angenehmere Einkaufsatmosphäre investierte die Gruppe 2013 nach eigenem Bekunden einen "hohen zweistelligen Millionenbetrag". Edeka (1,65 Milliarden) und Rewe (1,4 Milliarden, davon 600 Millionen im Ausland) können mit ganz anderen Investitionssummen umbauen.

Vor allem in der Region Nordrhein passen nicht mehr alle Märkte in das Konzept, mit dem sich Tengelmann am teuren Qualitätswettbewerb der Supermärkte beteiligt. Größere Läden, höhere Mieten bei gleichzeitig kleiner werdender Bevölkerung - da lohnt sich nicht mehr überall ein Geschäft. Wenn dann auch die Konkurrenten ihrem stark expansiven Kurs mit einem Neubau um die Ecke frönen, wird's umso schwieriger, den eigenen Laden noch aufrechtzuhalten. "Die Zahl der Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel nimmt deutschlandweit ab, die Verkaufsfläche aber wird größer", sagt Christian Böttcher vom Bundesverband Lebensmittel.

Immerhin haben sich die Supermarkt-Ketten nicht auf einen Preiskampf mit den Discountern eingelassen, den Rewe-Chef Alain Caparros als "Wertvernichtung" bezeichnet. Durch ihre Modernisierungsoffensive nehmen die Supermärkte den Discountern sogar jährlich ein bis zwei Prozent Marktanteile ab, berichtet der Bundesverband Lebensmittel. Die Billiganbieter reagieren und machen immer mehr Zugeständnisse ans Vollsortiment. Bei Aldi und Co. gibt es zunehmend Markenprodukte, und auch die Discounter arbeiten an einer schickeren Präsentation ihrer Waren.

"Wir erleben bei der Qualität eine deutliche Annäherung zwischen Discountern und Supermärkten", sagt Christian Böttcher. Das alles macht es einer Supermarktkette nicht leicht: Die Kosten sind hoch, die Konkurrenz gewaltig, gleichzeitig liegt die Umsatzrendite im Lebensmitteleinzelhandel im Schnitt nur bei ein bis zwei Prozent. "Positive Ergebnisbeiträge werden erst wieder nach der Umsetzung der eingeleiteten Maßnahmen erwartet", heißt es im Tengelmann-Geschäftsbericht.

(RP)