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Hauptversammlung in Hamburg: VW verweigert höhere Dividende

Hauptversammlung in Hamburg : VW verweigert höhere Dividende

Hamburg (RPO). Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen hat glänzende Zahlen vorgelegt. Nun fordern die Aktionäre einen größeren Anteil an den üppig sprudelnden Gewinnen des größten europäischen Autokonzerns - aber der Vorstand zeigt den Eigentümern die kalte Schulter.

"2,20 Euro Dividende. Das ist zu wenig", sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Dienstag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Hansgeorg Martius vom Kleinaktionärsverband SDK erklärte, die Ausschüttungsquote von 15 Prozent sei zu niedrig. "Wir fordern 50 Prozent", sagte er. Auch andere Aktionäre mahnten höhere Ausschüttungen an, angesichts von Rekordgewinnen von 15 Euro pro Aktie und rund 19 Milliarden Euro flüssiger Mittel bei VW.

Finanzchef Hand Dieter Pötsch erteilte den Aktionären aber eine Abfuhr: "Eine konkrete Ausschüttungsquote haben wir nicht", sagte er. VW sei "angesichts der volatilen Finanzmärkte" gut beraten, auf eine solide Finanzbasis zu achten, fügte er hinzu. Pötsch erinnerte daran, dass VW im schlechten Jahr 2009 die Dividende trotz schmaler Gewinne hoch gehalten habe.

Grundsätzlich äußerten die Aktionäre Zufriedenheit mit dem kräftigten Wachstum des VW-Konzerns bei Umsatz und Gewinn. Konzernchef Martin Winterkorn sagte, VW komme auf dem Weg zum größten Autobauer der Welt wie geplant voran. "Volkswagen liegt mit der Strategie 2018 voll auf Zielkurs", sagte Winterkorn auf der Hauptversammlung. 2010 seien "wichtige Etappenziele" erreicht worden.

Winterkorn kündigte an, allein in Deutschland wolle VW wegen des Wachstumsprogramms mittelfristig 5000 bis 6000 neue Arbeitsplätze schaffen. Weltweit sollen 50.000 zusätzliche Jobs entstehen. Ende 2010 beschäftigte der Konzern weltweit 399.000 Arbeitskräfte.

Bis 2018 größter Autobauer der Welt

VW will bis 2018 nach eigenen Plänen zum größten Autobauer der Welt heranwachsen. Der Konzern aus Wolfsburg war im Jahr 2010 auf Platz drei nach Toyota und General Motors (GM) angekommen. Branchenbeobachter halten es für möglich, dass VW schon dieses Jahr den vom Erdbeben getroffenen Anbieter Toyota überholt. Offen ist, ob auch der nach einer Insolvenz wieder schnell wachsende US-Anbieter GM eingeholt werden kann.

Winterkorn kündigte an, die neue US-Fabrik von Volkswagen in Chattanooga in Tennessee werde am 24. Mai eröffnet. Dort will VW die US-Version des Mittelklassewagens Passat bauen, mit dem Volkswagen auch auf dem Heimatmarkt GM frontal angreifen will.

Auf der Hauptversammlung steht unter anderem der geplante Zusammenschluss des Unternehmens mit dem Sportwagenbauer Porsche im Mittelpunkt. Winterkorn sagte, die Unternehmen trieben schon jetzt "die operative Zusammenarbeit mit aller Kraft voran". Bisher stehen aber Klagen gegen Porsche und Steuerprobleme einer schnellen Fusion im Weg.

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Starke Zahlen für 2011 angekündigt

In der vergangenen Woche hatte VW starke Zahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt: Das Ergebnis der ersten drei Monate nach Steuern stieg von 473 Millionen im Vorjahr auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um 30,8 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro zu. Der weltweite Marktanteil stieg von 11,5 auf 12 Prozent.

Winterkorn wiederholte, VW werde 2011 das Rekordergebnis von 2010 übertreffen, als der Konzern 7,2 Milliarden Euro netto verdient hatte.

Unterdessen brechen sechs Wochen nach dem schweren Erdbeben die japanischen Autohersteller auf dem deutschen Markt ein: Während der Gesamtabsatz im April um 2,6 Prozent zulegte, verloren die meisten japanischen Hersteller an Absatz: Toyota büßte 4,4 Prozent ein, Nissan zehn Prozent, Mazda 13 Prozent und Honda 28 Prozent. Viele japanische Autofabriken wurden bei dem Erdbeben Anfang März zerstört, auch die Zulieferungen laufen nicht rund.

Große Ausnahme ist Mitsubishi, das Unternehmen legte mit Sonderangeboten und einem neuen Geländewagen um 71 Prozent zu. Die Mitsubishi-Fabriken liegen weit ab vom Erdbebengebiet.

Großer Krisengewinnler ist der koreanische Hersteller Hyundai, der um 38 Prozent auf 8100 Neuzulassungen zulegte. Damit überrundete Hyundai Toyota, die nur auf 6000 Stück kamen, sowie Peugeot (8000). Auch Opel gewann kräftig: 21 Prozent auf 21.000 Stück. Hier kommen offenbar der neue Astra-Kombi und der neue Meriva zum Tragen. Marktführer VW lag dagegen mit einem Wachstum von 2,1 Prozent knapp unter der Marktentwicklung. Über Durchschnitt wuchsen Fiat (plus acht Prozent), Ford (plus acht Prozent) und Chevrolet (plus 45 Prozent).

Fünfter Wachstumsmonat in Folge

Der deutsche Automarkt wuchs den fünften Monat in Folge: Im April wurden mit 266.000 Neuzulassungen 2,6 Prozent mehr gezählt als vor einem Jahr. Bis Ende April kamen 1,03 Millionen neue Autos auf deutsche Straßen, elf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Kraftfahrtbundesamt am Dienstag mitteilte.

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(AP/felt)