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Trotz der Absatzkrise: VW-Chef "Werden keine Werke in Europa schließen"

Trotz der Absatzkrise : VW-Chef "Werden keine Werke in Europa schließen"

Volkswagen zeigt in Genf das Ein-Liter-Auto XL1

Volkswagen wird trotz der Autokrise in Europa keine Werke auf dem Kontinent schließen. "Wir werden aus Europa keine Kapazitäten abziehen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn dem österreichischen ORF-Fernsehen am Freitagabend.

Er halte auch am Stammpersonal fest. Allerdings: "Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen", sagte der bestbezahlte Manager Deutschlands. VW hatte sich in den vergangenen Jahren in Europa besser gehalten als die Rivalen Opel, Ford und Peugeot, die teilweise Werke schließen und Jobs abbauen. Nun bremst die Absatzschwäche aber auch den europäischen Branchenprimus.

Optimistisch zeigte sich Winterkorn für die Märkte in Asien und Amerika. "Es geht hervorragend in China", sagte er in dem Interview. Er setze auf ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. VW werde auch in den USA, Russland und Südamerika zulegen. "Aber Europa wird stagnieren. Nachdem wir den Großteil unserer Fabriken in Europa haben, müssen wir uns hier auf die Stagnation, vielleicht sogar einen Rückgang in Europa einstellen, mit Flexibilität, mit allem was wir im Köcher haben, um flexibel zu sein." Einige Experten halten es für möglich, dass die Pkw-Nachfrage im krisengeschüttelten Westeuropa frühestens 2015 überwunden sein wird. Seit 18 Monaten gehen dort die Verkäufe der Branche zurück. Dass Europa an Bedeutung verliert, zeigen auch die Investitionspläne des VW-Konzerns, der 2018 zur globalen Nummer eins aufsteigen will. VW plane zehn neue Werke weltweit, davon sieben in China, sagte Winterkorn.

Anderen Autobauern, die auf Massenproduktion setzen, ergeht es in Europa noch deutlich schlechter als den Wolfsburgern. Das Management von Ford versucht, mit radikalen Einsparungen das Steuer herumzureißen und bis Mitte des Jahrzehnts wieder in die Gewinnzone zu kommen. So wird unter anderem Ende 2014 das Werk im belgischen Genk geschlossen. Auch in Großbritannien sollen zwei Werke dichtgemacht werden. Insgesamt kappt Ford wegen der schwachen Nachfrage in Europa knapp ein Fünftel seiner Kapazitäten.

Der ehemalige VW-Erzrivale Opel kann diese Rolle längst nicht mehr spielen. Opel schreibt seit Jahren Verluste und schließt sein Werk in Bochum Ende 2014. Und der angeschlagene französische Autobauer PSA Peugeot Citroen erwägt nach erneuten Umsatzeinbrüchen nun doch weitere Einsparungen. Um trotz düsterer Aussichten aus den roten Zahlen zu kommen, müsse mit den Gewerkschaften über zusätzliche Zugeständnisse gesprochen werden, erklärte PSA am Mittwoch.

Doch ungeschoren kommt auch VW nicht durch die Krise. Der Betriebsgewinn brach zu Jahresbeginn um mehr als ein Viertel auf 2,3 Milliarden Euro ein. Die kommenden Monate würden "alles andere als leicht", hatte Winterkorn am Donnerstag vor mehr als 2000 Aktionären auf der Hauptversammlung in Hannover angekündigt. Europas größter Autobauer müsse sich "mehr denn je ins Zeug legen", um wie geplant zu wachsen. Trotz des schwachen Jahresauftakts zeigte sich Winterkorn jedoch zuversichtlich, dass VW in der zweiten Jahreshälfte Fahrt aufnehmen kann.

(REU/felt)