Gründer verweigerte Hilfen: Vorwürfe gegen Familie Schlecker

Gründer verweigerte Hilfen : Vorwürfe gegen Familie Schlecker

Der Insolvenzverwalter kritisiert, dass die Familie trotz seiner Bitte nichts für die Rettung der Drogerie-Kette zahlen wollte. Die Familie soll noch 35 Millionen Euro besitzen.

Die 13.000 Schlecker-Mitarbeiter, die nun endgültig ihren Job verlieren, dürften sich einmal mehr wie Statisten in einem drittklassigen Film fühlen. Der Gründer der Drogeriekette, Anton Schlecker, hat das Unternehmen nicht nur in die Pleite geführt, sondern ließ am Ende eine vorläufige Rettung an neun Millionen Euro scheitern. Das jedenfalls wirft Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Schlecker und seiner Familie vor.

Er habe bis zuletzt auf einen Rettungsbeitrag der Familie Schlecker gesetzt, sagte Geiwitz dem "Spiegel". Noch kurz vor dem Beschluss über die Zerschlagung am Freitag habe er die Familie Schlecker gebeten, einen finanziellen Beitrag zu leisten. "Die Familie hat noch Vermögen, und ich habe gefragt, ob sie bereit sei, eine Verlustfinanzierung zu leisten", so Geiwitz. Es sei um sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gegangen. Doch die Familie sei "entweder nicht bereit oder nicht in der Lage" gewesen, diese Summe zu zahlen.

Gerüchte um Familien-Villa

Die Schlecker-Familie besitzt laut "Handelsblatt" trotz der Insolvenz noch immer 35 bis 40 Millionen Euro Privatvermögen; es soll zum größten Teil den beiden Kindern Lars (40) und Meike (38) gehören. Eigentümerin der Familien-Villa in Ehingen soll die Ehefrau von Anton Schlecker sein.

35 Millionen Euro sind zwar nicht viel gemessen an jenen 1,65 Milliarden Euro, auf die das Vermögen der Familie (einschließlich des Unternehmens) im Jahr 2011 geschätzt wurde. Sie hätten aber gereicht, um Zeit für einen Sanierungsversuch zu gewinnen. Doch die Familie ließ den Insolvenzverwalter abblitzen. Auch deshalb hatte der Gläubigerausschuss am Freitag die Zerschlagung des Drogerie-Konzerns beschlossen.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnte Staatshilfe für Schlecker erneut ab. Der Sozialflügel der CDU, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft, fordert sie dagegen.

Der Konkurrent, die Drogerie-Kette Rossmann, macht den Schlecker-Mitarbeitern nur wenig Hoffnung, übernommen zu werden. "Wir werden sicher ehemalige Schlecker-Mitarbeiter einstellen", sagte Firmenchef Dirk Roßmann. Eine Bevorzugung dürfe es aber schon vom Gesetz her nicht geben. Besser sieht es für die Schlecker-Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker XL aus. Der Münchener Finanzinvestor Dubag will offenbar beide übernehmen und die XL-Filialen in IhrPlatz-Filialen umwandeln. Die neue IhrPlatz käme auf 800 Filialen mit 5000 Mitarbeitern.

Die 2800 "klassischen" Schlecker-Filialen sollen dagegen bis Ende Juli aus den deutschen Städten verschwunden sein. Bis dahin will der Insolvenzverwalter Waren und Inventar verkauft haben. Aus dem Erlös bezahlt er Löhne und Lieferanten. Die laufenden Gehaltszahlung seien sichergestellt, auch für Überstunden, betonte Geiwitz. Das wenige, das am Ende übrig bleibt, erhalten die Gläubiger.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chronologie der Schlecker-Pleite

(RP/jre/csi)
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