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Wuppertaler Traditionsunternehmen: Vorwerk baut das Kobold-Geschäft um

Wuppertaler Traditionsunternehmen : Vorwerk baut das Kobold-Geschäft um

Die Staubsauger-Vertreter von Vorwerk bekommen Konkurrenz durch neu gegründete hauseigene Geschäfte und das Internet. Auch Kündigungen sind geplant.

Die Wuppertaler Vorwerk-Gruppe hat die Krise im deutschen Staubsauger-Geschäft überwunden. Drei Jahre bescherte dem Traditionskonzern ausgerechnet sein prominentestes Produkt Verluste auf dem Heimatmarkt, aber jetzt ist der "Kobold" auch im Inland wieder profitabel. "Wir schließen das deutsche Kobold-Geschäft in diesem Jahr mit einer schwarzen Null ab", kündigt Vorwerk-Chef Walter Muyres an.

Dem persönlich haftenden Gesellschafter ist die Erleichterung anzusehen. Nicht, weil die Vorwerk-Gruppe durch den schwächelnden Kobold gefährdet gewesen wäre: Das Unternehmen ist praktisch schuldenfrei und verfügt über eine Eigenkapitalquote von 64 Prozent. Die weltweit 11.000 Vorwerk-Mitarbeiter werden im laufenden Jahr einen Umsatz von über 2,4 Milliarden Euro erwirtschaften, der Vorsteuer-Gewinn soll Insidern zufolge bei über 200 Millionen Euro liegen — auch ohne den deutschen Staubsaugermarkt.

Auf Direktvertrieb spezialisiert

Die 129 Jahre alte Gruppe verdient ihre Milliarden längst auch mit Küchengeräten, Kosmetika, dem Gebäudedienstleister Hectas und einer hauseigenen Bank. "Das deutsche Kobold-Geschäft macht nur noch vier bis fünf Prozent vom Gesamtgeschäft aus", sagt Muyres.

Trotzdem ist der 55-jährige Wahl-Mönchengladbacher froh, dass sein Kobold auch in Deutschland wieder gefragt ist. Für ihn war das eine Frage der Ehre. Vor einem verschwitzten Fußballtrikot des ehemaligen Borussen-Verteidigers Bernd Korzynietz, das er in seinem Büro hinter Glas ausstellt, sagt Muyres: "Der Kobold und Deutschland, das war schließlich auch ein Stück Wirtschaftswunder."

Der Preis für die Rettung der Tradition war der Bruch mit einer anderen: Vorwerk ist seit der Vorkriegszeit auf den Direktvertrieb spezialisiert, hat ihn laut Muyres sogar erfunden. 6000 Vertreter zogen im Jahr 1999 noch wie in den Wirtschaftswunder-Jahren von Haustür zu Haustür und führten den Kobold vor, dem selbst Loriot schon ein Sketch-Denkmal setzte ("Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann").

Vor zwei Jahren klopften in Deutschland aber nur noch 2250 Kobold-Vertreter an. "Wir mussten uns an die neue Zeit anpassen", begründet Muyres, warum Vorwerk neuerdings auf zusätzliche Vertriebswege setzt. Ende 2011 wurde in Hamburg die erste Filiale eröffnet. Das Vorzeigegeschäft auf dem edlen Jungfernstieg ist nur der Anfang, weitere sollen folgen.

Beratung durch McKinsey

Auch in Düsseldorf sucht Vorwerk nach einem passenden Ladenlokal — am liebsten in den Schadow-Arcaden oder auf der Königsallee. Außerdem gibt es Vorwerk-Produkte neuerdings auch im Internet. "Wir halten am Direktvertrieb fest", beteuert Muyres, "aber zur Wahrheit gehört auch, dass unsere Kunden sich verändert haben."

Der Einkauf sei zum Shopping-Erlebnis geworden. In Familien mit zwei berufstätigen Partnern komme der Vorwerk-Vertreter nur noch nach Terminabsprache zum Zug. "Deshalb die Shops, deshalb das Internet", erklärt Muyres. Die neuen Kanäle tragen inzwischen 15 Prozent des Vorwerk-Umsatzes, in drei Jahren, wenn Vorwerk rund 100 Shops eröffnet haben will, sollen es 20 Prozent sein.

Seit Mai lässt Vorwerk sich von McKinsey beraten. Ergebnis: Vorwerk wird seine 72 niedergelassenen Reparaturbetriebe in Deutschland wohl aufgeben und im Großraum Wuppertal zentralisieren. "Wir wollen Kündigungen nach Möglichkeit vermeiden", sagt Muyres, "aber das wird nicht in allen Fällen gelingen". Ob auch die übrige Belegschaft Einschnitte zu befürchten hat, ist noch nicht klar. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen noch.

Die neuesten Vorwerk-Produkte kommen im Markt jedenfalls an. Der "Swinging Mob" zum Beispiel. Ein Kobold-Aufsatz, der Saugen und gleichzeitig wischen kann. Seit Anfang des Jahres hat Vorwerk schon 500.000 der Aufsätze verkauft — fast die Hälfte davon in Deutschland.

Wie kommt man auf solche Ideen? Muyres: "Marktforschung. Wir haben die deutschen Hausfrauen gefragt, welche Arbeit sie am meisten hassen." Die Antwort war überwältigend eindeutig: "Fensterputzen", gefolgt von "Bügeln" und "Aufnehmer auswringen".

(tor)