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Einen Tag vor Hauptversammlung: Vorstandschef der DekaBank muss gehen

Einen Tag vor Hauptversammlung : Vorstandschef der DekaBank muss gehen

Dekabank-Vorstandschef Franz Waas muss einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz völlig überraschend seinen Hut nehmen. Wegen eines Streits um Tantiemeforderungen berief der Verwaltungsrat des Sparkassen-Fondsdienstleisters den 51 Jahre alten Manager am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten ab und entband ihn von allen Aufgaben.

Waas hatte die Dekabank nach Problemen mit einem Immobilienfonds wieder auf Kurs gebracht, war aber nicht unumstritten. Das notwendige persönliche Vertrauensverhältnis sei nicht mehr gegeben gewesen, "nachdem unterschiedliche Auffassungen über zusätzliche Tantiemeforderungen aus der ersten Amtszeit für die Jahre 2008 und 2009 nicht ausgeräumt werden konnten", erklärte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.

Der frühere HSH-Nordbank-Vorstand Waas hatte den Chefposten am 1.
Januar 2006 nach massiven Problemen bei einem Immobilienfonds übernommen. Anleger hatten 1,7 Milliarden Euro aus einem Deka-Fonds abgezogen. Waas brachte das Unternehmen wieder auf Kurs.

Im Juni 2010 hatte der Verwaltungsrat noch den Vertrag des Managers verlängert. Allerdings gab es innerhalb der Sparkassenfamilie auch Kritik am Risikoprofil der Dekabank unter Waas Führung.

Für das Jahr 2010 konnte Waas dank der Erholung an den Märkten einen Rekordgewinn präsentieren. Für das vergangene Jahr erwartete er ein wirtschaftliches Ergebnis im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von rund 400 Millionen bis 500 Millionen Euro. Die Zahlen sollte er eigentlich an diesem Dienstag präsentieren.

Zum kommissarischen Vorstandschef wurde Oliver Behrens bestimmt, der in dem Führungsgremium für das Geschäft mit Wertpapierfonds zuständig ist.

Zugleich bestellte der Verwaltungsrat den stellvertretenden Vorstandschef der Frankfurter Sparkasse, Georg Stocker, zum neuen Vorstandsmitglied der Dekabank. Der 47-jährige Manager tritt die Nachfolge von Hans-Jürgen Gutenberger an, der auf eigenen Wunsch in den Ruhestand geht.

(dpa)