Vonovia will Mietern ab 70 Jahren eine Garantie für ihre Wohnung geben

Wohnungsbaukonzern : Vonovia will Mietern ab 70 Jahren eine Garantie für ihre Wohnung geben

An der Idee des Wohnungsriesen scheiden sich die Geister. Manche sehen einen Schritt in die richtige Richtung, andere einen Marketing-Gag. Mieterhöhungen bleiben möglich.

In der Diskussion um ausreichend bezahlbaren Wohnraum in Deutschland hat der börsennotierte Wohnungskonzern Vonovia einen neuen Akzent gesetzt. Vor der Hauptversammlung des Konzerns kündigte der Vorstandsvorsitzende Rolf Buch an, das Unternehmen wolle Mietern ab 70 Jahren garantieren, dass diese in ihrer Wohnung bleiben könnten. Außerdem wolle Vonovia den älteren Mietern zusichern, „dass ihre Wohnung bei Veränderung der ortsüblichen Vergleichsmiete bezahlbar bleibt“.

Was Vonovia konkret will, ist noch nicht klar. Eine Sprecherin bestätigte die Aussagen Buchs grundsätzlich. Auf die Frage, wie die Bezahlbarkeit gewährleistet werden soll, erklärte sie: „Dies kann konkret eine Staffelmiete sein oder der komplette Verzicht auf die Mieterhöhung. Voraussetzung ist Transparenz über die wirtschaftliche Situation des Mieters in Form eines Rentenbescheids.“ Die Staffelmiete ist eine Form der Miete, bei der schon im Vorhinein festgelegt ist, in welchem Umfang sich die Miete zu bestimmten Zeitpunkten erhöht.

Während der Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer von einem Schritt in die richtige Richtung sprach, reagierten Mietervertreter zurückhaltend auf die Ankündigung. Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Mieterbundes NRW, sprach von einem „Angebot, das sich in der Öffentlichkeit gut anhört“. Steigende Mieten seien aber nicht nur ein Problem der Bevölkerung über 70, sondern ein generelles Problem in Deutschland. Viele Wohnungen würden beispielsweise durch die Modernisierungsumlage so teuer, dass die Mieter das nicht mehr zahlen könnten. „Wir müssen mal abwarten, ob der großen Ankündigung auch Taten folgen“, sagte Gottschalk. Ihr Kollege Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin sprach von einem „PR-Gag“. Alexander Wiech, Geschäftsführer Politik und Kommunikation beim Eigentümerverband Haus und Grund, sagte unserer Redaktion: „Das kann eigentlich nur eine Mischkalkulation sein. Herr Buch kann das versprechen, weil Vonovia Hunderttausende Wohnungen hat. Wenn Mieterhöhungen an einer Stelle begrenzt werden oder ausfallen, dann müssen andere an anderen Stellen mehr zahlen“.

Vonovia hatte 2018 mitgeteilt, durch Sanierungen solle es keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben. Branchenkenner wenden ein, dass dies jedoch nur dazu führe, dass Wohnungen nicht mehr saniert würden, wenn die Mietsteigerungen höher ausfallen müssten. Vonovia hatte bereits angekündigt, stärker in Neubauten investieren zu wollen

Das Unternehmen ist der größte Wohnungskonzern in Deutschland. Er steht bei Mietern und deren Vertretern vor allem wegen angeblich überhöhter und intransparenter Nebenkostenabrechnungen in der Kritik. Zudem waren im Kampf gegen steigende Mieten und Wohnungsnot vor allem in in Großstädten Forderungen nach einer Enteignung von Immobilienkonzernen laut geworden. Konzernchef Buch wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Mieten im Bestand seien 2018 weniger stark gestiegen als die Inflationsrate, sagte er bei der Hauptversammlung. Bei der Neuvermietung liege Vonovia um mehr als 20 Prozent unter den Marktpreisen.Bei den Mietnebenkosten liegen die Mieter von Vonovia nach Angaben des Unternehmens bei 2,61 Euro pro Quadratmeter und damit unter dem Betriebskostenspiegel des Mieterbundes( 2,79 Euro).

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