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Volkswagen verabschiedet sich von Erdgas-Autos - Verkaufszahlen gering

Geringe Verkaufszahlen : Volkswagen verabschiedet sich von Erdgas-Autos

VW setzt auf Elektro: Der Konzern will Erdgas als weiteren alternativen Antrieb nicht fortentwickeln. Ein Blick in die Bestandszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigt, warum.

Der Autokonzern Volkswagen wird künftig keine neuen Modelle mit Erdgasantrieb mehr entwickeln. „Diese Autos bekommen keine Nachfolger mehr“, sagte VW-Entwicklungschef Frank Welsch dem „Handelsblatt“. Grund dafür seien geringe Verkaufszahlen der Modelle. „Die Resonanz am Markt ist nicht gewachsen“, sagte Welsch. Es sei auch nicht absehbar, dass sich die Verkaufszahlen erkennbar steigern ließen.

Stattdessen konzentriert sich VW auf die Elektromobilität - auch alternative Antriebe wie synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff seien für die Serienmodelle außen vor. „Wenn wir die Mobilitätswende und die Umweltziele ernst nehmen, müssen wir uns auf den batterieelektrischen Antrieb konzentrieren“, sagte Welsch. Alles andere verschwende regenerative Energie.

Aktuellen Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zufolge waren zu Beginn dieses Jahres knapp 82 200 Autos mit Erdgasantrieb in Deutschland registriert. Das waren lediglich 1,8 Prozent mehr als im Jahr davor und entsprach einem Anteil von 0,2 Prozent an der Gesamtflotte der in Deutschland zugelassenen Pkw. Die Zahl der Flüssiggas-Autos ging sogar um 6,1 Prozent auf rund 371 470 Einheiten zurück. Der Bestand bei Wasserstoff-Autos lag Anfang dieses Jahres bei 507 Fahrzeugen.

Zwar hängt auch die Zahl der Elektrofahrzeuge den Erwartungen deutlich hinterher. Doch die Wachstumsraten sind deutlich höher. Etwas mehr als 136 600 Autos mit Elektromotor waren zum Stichtag 1. Januar in Deutschland zugelassen und damit mehr als 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Einst hatte die Bundesregierung allerdings das Ziel von einer Million Elektroautos bis Ende 2020 ausgegeben. Dieses Vorhaben hat der Bund angesichts des niedrigen Niveaus inzwischen einkassiert.

Trotz aller Diskussionen um weniger Autoverkehr auf den Straßen hat sich die Zahl der Fahrzeuge insgesamt zuletzt deutlich erhöht. Insgesamt 65,8 Millionen Fahrzeuge waren am Stichtag 1. Januar in Deutschland zugelassen, wie KBA am Montag mitteilte. Das waren rund eine Million mehr als noch ein Jahr zuvor. Den größten Anteil daran hatten Autos. Ihre Zahl nahm um rund 700 000 auf zuletzt knapp 47,7 Millionen Einheiten zu. Besonders stark stieg die Zahl der SUV - um knapp 20 Prozent auf rund 3,77 Millionen.

Dem KBA zufolge handelte es sich bei knapp 98 Prozent aller Auto-Antriebe nach wie vor um Benzin und Diesel. Im Durchschnitt waren sämtliche zugelassene Fahrzeuge hierzulande zum 1. Januar 9,6 Jahre alt. Damit hat sich das Durchschnittsalter im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,1 Jahre erhöht. Mehr als 857 000 Fahrzeuge waren älter als 30 Jahre.

Die Ankündigung des VW-Konzerns, künftig keine Erdgas-Modelle mehr zu entwickeln, versetzte am Montag vor allem die deutsche Erdgaswirtschaft in Unruhe. Demnach sei „der Volkswagen-Konzern weit entfernt von einem kurzfristigen Abschied vom Gasauto“, teilte der Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, Timm Kehler, mit. „So sollen sich mehrere neue CNG-Modelle der Konzernmarken derzeit kurz vor der Markteinführung befinden.“ CNG ist das englische Kürzel für komprimiertes Erdgas (Compressed Natural Gas).

VW bestätigte am Montag indes den „Handelsblatt“-Bericht und die darin zu lesenden Aussagen des Entwicklungschefs. Allerdings betonte ein Sprecher, es handele sich nicht um einen Schritt, der „von heute auf morgen erfolgt, sondern perspektivisch“.

Die Initiative erneuerte die Kritik an der EU, Elektroantriebe gegenüber Antriebsalternativen zu bevorzugen. „Die EU legt damit alle Eier in einen Korb“, heißt es in dem Statement von Zukunft Erdgas, das der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag.

(ala/dpa)