Vodafone greift bei Kabel-Deutschland durch

Milliardenschwere Übernahme : Vodafone greift bei Kabel-Deutschland durch

Der Mobilfunkkonzern Vodafone geht bei der Umsetzung der milliardenschweren Übernahme von Kabel Deutschland in die Endphase. Kabel Deutschland und Vodafone haben laut Angaben vom Freitag einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen.

Der Vertrag sichert Vodafone den Durchgriff auf alle Entscheidungen bei Kabel Deutschland und beendet die Eigenständigkeit der Münchner. Er bedarf aber noch der Zustimmung der außerordentlichen Hauptversammlung von Kabel Deutschland Mitte Februar.

Nach der Übernahme bekommt Kabel Deutschland zum Frühjahr 2014 zudem einen neuen Chef. Der amtierende Vorstandsvorsitzende Adrian von Hammerstein werde sein Amt zum 31. März auf eigenen Wunsch niederlegen und den Weg für seinen derzeitigen Stellvertreter Manuel Cubero freimachen, teilte der Kabelnetzbetreiber am Freitag mit. Es sei der richtige Zeitpunkt für eine reibungslose Stabübergabe, sagte von Hammerstein. Cuberos Posten als Chief Operating Officer übernimmt Gerhard Mack, der damit neu in den Vorstand aufrückt.

Die Kabel-Minderheitsaktionäre sollen eine Barabfindung in Höhe von 84,53 Euro je Aktie erhalten. Darüber hinaus sollen diese eine jährliche Ausgleichszahlung in Höhe von 3,77 Euro brutto je Aktie bekommen. Vodafone hält 76,57 Prozent der Anteile des größten deutschen Kabelnetzbetreibers.

Vodafone hatte insgesamt 87 Euro je Aktie inklusive einer Dividende von 2,50 Euro geboten. Die Briten wollen mit dem Zukauf die Deutsche Telekom angreifen. Das größte deutsche Kabelnetz bietet nicht nur für TV-Angebote ein erhebliches Potenzial. Es kann auch für den Ausbau von Festnetz-Telefonie und als Internetzugang genutzt werden.

Der Deal dürfte die Lage auf dem deutschen Telefon-, Internet- und Kabel-TV-Markt grundlegend verändern. Vodafone will mit der neuen Tochter rasch seinen Kunden Festnetz, Mobilfunk, Breitband und Fernsehen aus einer Hand anbieten. Statt Milliarden in den Ausbau des eigenen Netzes zu stecken, kaufen sich die Briten den Zugang.

Die EU-Kommission hatte keine Bedenken gegen die Übernahme und gab dem Geschäft schon Mitte September den kartellrechtlichen Segen. Die Angebote beider Unternehmen ergänzten sich und behinderten den Wettbewerb auf dem hartumkämpften deutschen Telekommunikationsmarkt nicht, hieß es. Der Verbund habe nach wie vor viele Konkurrenten.

(dpa)
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