Victoria's Secret: Models werfen Missbrauch und sexuelle Belästigung vor

Vorwürfe gegen Manager : Offener Brief von „Victoria’s Secret“-Models – „Der Missbrauch wurde weggelacht“

„Victoria’s Secret“ steht für sexy Unterwäsche, schöne Frauen und spektakuläre Modenschauen. Nach einem Enthüllungsbericht über sexuelle Übergriffe durch die Führungsetage, haben 100 Models jetzt einen offenen Brief verfasst. Was sie fordern.

Der Unterwäsche-Konzern „Victoria’s Secret“ steht massiv in der Kritik. Zahlreiche Models haben von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch berichtet. Jetzt haben mehr als 100 Models Taten von Chef John Mehas gefordert. Es hätte sich gezeigt, dass „die Kultur der Frauenfeindlichkeit, des Mobbings und der Belästigung bei Victoria's Secret noch ungeheurer“ sei als bisher angenommen, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief. Adressiert ist er an CEO John Mehas, er fordert Victoria's Secret dazu auf, die „Personen zu schützen, von denen es profitiert“. Bisher laufe das laut den Models ganz anders. Sie schreiben: „Der Missbrauch wurde weggelacht.“

Anlass dieser Kritik ist ein Bericht der „New York Times“, die mit mehr als 30 Mitarbeitern des Konzerns gesprochen hatte, die alle den Konzern schwer belasten. Im Vordergrund stehen Machtmissbrauch gegenüber den Models, anzügliche Bemerkungen, Tyrannei und Belästigung. Im Fokus der Vorwürfe: Die Chefetage um Firmenchef Lex Wexner und dem ehemaligen Präsidenten der Muttergesellschaft, Ed Razek.

So soll vor allem Razek zahlreiche Dessous-Models über Jahre hinweg belästigt haben. Dem Topmodel Gigi Hadid soll er vor einer Show geraten haben, auf die Unterhose zu verzichten und stattdessen „diese perfekten Titten“ zu zeigen. Zuvor soll er Hadid bei der Anprobe ihrer Kleider beobachtet haben.

„Der Missbrauch wurde einfach weggelacht oder für normal befunden", zitiert die „Times“ Casey Crowe Taylor, eine ehemalige Mitarbeiterin: „Es war wie Gehirnwäsche. Wer etwas dagegen unternehmen wollte, wurde nicht einfach ignoriert. Er wurde bestraft.“

Andere Models soll er belästigt und versucht haben zu küssen. Wie aus den Gesprächen, die die „New York Times“ mit den Mitarbeitern führte, hervorgeht, soll Razek die Models zum Teil unter Druck gesetzt haben, damit sie mit ihm ausgehen.

Das Model Andi Muise klagt in der „Times“ an, dass sie keine Aufträge des Unterwäsche-Giganten mehr erhalten habe, als sie auf die vermeintlichen Forderungen von Razek nicht eingegangen sei.

Auch der Name des verurteilten Sexualstaftäters Jeffrey Eppstein fällt im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Victoria’s Secret. Mindestens zwei Frauen haben Vorwürfe gegen Eppstein erhoben, er soll ein falsches Casting veranstaltet haben, um Frauen anzulocken. Dabei soll er sie angegriffen haben. Wexner, der Besitzer des Konzerns, soll die Aktionen von Epstein, der sich im Gefängnis in New York Selbstmord beging, geduldet haben. „Es fühlte sich an wie ein Casting für Prostituierte", erzählt eine Frau: „Ich dachte, ich bin in der Hölle.“

Auch Razek äußerte sich gegenüber der „New York Times“ und wies die erhobenen Vorwürfe zurück: „Die Anschuldigungen in dieser Berichterstattung sind kategorisch unwahr, falsch ausgelegt oder aus dem Zusammenhang gerissen. Ich hatte das Glück, mit zahllosen Weltklasse-Modellen und begabten Fachleuten zusammenzuarbeiten, und bin sehr stolz auf den gegenseitigen Respekt, den wir einander entgegenbringen.“

(mja/kron)