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Verzicht auf Preiserhöhungen: Die Deutsche Bahn lernt

Verzicht auf Preiserhöhungen im Dezember : Die Bahn lernt — wenn auch mit Verspätung

Mal was Neues: Die Bahntickets sollen nach dem Fahrplanwechsel genau so viel kosten wie davor. Trotz schrumpfender Einnahmen und gestiegener Ausgaben verzichtet das Unternehmen auf die üblichen Preiserhöhungen. Eine gute Nachricht.

Eigentlich ist es ein Phänomen, dass die Bahn immer noch so beliebt ist. Ein Paar, das heute kurzfristig von Düsseldorf nach Berlin will, kann sich zwischen verschiedenen Varianten entscheiden. Mit dem eigenen Auto kostet die Fahrt rund 70 Euro für den Sprit. Nehmen die beiden einen günstigen Mietwagen, kommen sie auf rund 140 Euro nach wiederaufgefülltem Tank. Die Bahn nimmt indes 222 Euro — und noch mal neun Euro zusätzlich, wenn das Paar auch garantiert einen Sitzplatz haben und nicht stehen will.

Geht es noch günstiger? Klar, der Blick ins Internet weist noch etliche freie Plätze in mehreren Fernbussen auf. Für zweimal 19 Euro kommt das Paar nach Berlin, kann unterwegs telefonieren, surfen, essen, trinken — und wenn die Staus ausbleiben, ist es auch nach siebeneinhalb Stunden in der Hauptstadt.

Schauen wir nur auf die Schnelligkeit, dann sind wir mit dem Flieger natürlich schneller — freilich bei derart kurzentschlossenen Reise-Entscheidungen auch teurer: Gut 300 Euro müssten unsere beiden Reisenden berappen. Doch wenn sie die Fahrt zum Flughafen, die Eincheckzeiten und die Fahrt in Berlin in die Innenstadt dazurechnen, schrumpft der Zeitvorteil. Allerdings weiß auch die Bahn schon, dass sie heute die angezeigten 4:14 Stunden zwischen Landes- und Bundeshauptstadt wieder mal nicht wird halten können: Wegen einer Weichenstörung komme es bei den nächsten Zügen zu Verspätungen.

Diese Angabe stellt schon einen Fortschritt dar — wenn sie auch ähnlich unpräzise ist wie das, was die Fahrgäste am Wochenende in Krefeld erlebten, die auf acht Minuten Fahrzeit bis zur Nachbarstadt Kempen eingestellt waren, sodann die Anzeige "ca. 10 Minuten Verspätung" lasen, woraus nach deren Ablauf 20 und dann 30 Minuten wurden. Tatsächlich waren es dann 40 Minuten. Und das konnte vorher keiner wissen und den Rat geben, rasch auf den Bus umzusteigen?

Es sind nicht solche Verspätungs-Erlebnisse allein, nicht die unbenutzbare Toilette alleine, nicht das leider dieses Mal nicht zur Verfügung stehende Bordbistro allein, nicht das in diesem Zug schwache oder völlig fehlende WLAN allein, nicht der unzuverlässige Informations-Service allein — es ist die Gesamtkomposition, durch die treue Bahnkunden große Chancen haben, auf wenigstens eine dieser Pannen oder Systemfehler zu treffen — und trotzdem dafür zur Kasse gebeten wäre, als sei alles in Ordnung.

Deshalb rückt der Preis mit jedem funktionierenden Konkurrenzangebot immer stärker in den Vordergrund. Wer für 29 Euro in viereinhalb Stunden bequem mit der Bahn von Düsseldorf nach Berlin kommt, der zieht den Zug dem Bus vor, der auch ohne Stau drei Stunden länger braucht. Allerdings müssen solche Sondertarife lange im Voraus gebucht werden.

Kurzfristig läuft da selten etwas. Selbst Restposten-Tickets kosten heute nur unwesentlich weniger als der Normaltarif. Und wenn sich dann noch mit jedem Fahrplanwechsel der preisliche Abstand zwischen Zug und Bus vergrößert, bedeutet das inzwischen jedes Mal einen Impuls, einfach auch mal den Bus auszuprobieren. Zu Tausenden machen die Menschen die Erfahrung, dass das eine attraktive Alternative geworden ist.

Das merkt die Bahn natürlich. Schon ist davon die Rede, dass ein Prozent höhere Preise angeblich ein Prozent zusätzlich ausbleibende Kunden bedeuten können. Auf die Preisbremse zu treten, war deshalb eine dringend gebotene Entscheidung — auch wenn die Hinweise auf steigende Kosten und Verluste durch Mega-Streik und Unwetter sehr plausibel geklungen hätten. Aber es kann nur ein Schritt von vielen sein. Am besten, die Bahnmanager fahren abwechselnd Bahn und Bus — und lernen.

Hier geht es zur Infostrecke: Lustige Bahn-Ansagen der etwas anderen Art

(may-)