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Neue Runde Anfang 2005: Verhandlung zwischen Mercosur und EU ergebnislos

Neue Runde Anfang 2005 : Verhandlung zwischen Mercosur und EU ergebnislos

Lissabon (rpo). Die Europäische Union und die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur mussten ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen ins kommende Jahr verschieben. Auch nach sechs Stunden Diskussion wurde in Lissabon kein Kompromiss gefunden. "Es ist kein Geheimnis, dass wir mit den Zugeständnissen des jeweils anderen noch nicht zufrieden sind", sagte EU-Handelskommissar Pascal Lamy nach den Verhandlungen.

Es sei ausgesprochen schwierig, die Interessen der entwickelten EU-Staaten mit denen der sich noch entwickelnden Mercosur-Staaten zu vereinbaren. Die EU und Mercosur verhandeln seit 1999 über eine Liberalisierung der gegenseitigen Handelsbeziehungen, es bestehen aber weiterhin Differenzen über Handelsschranken in der Landwirtschaft und über den Markt für Industrieprodukte. Beide Seiten wollten ursprünglich möglichst bis zum 31. Oktober, dem Ende der Amtszeit der gegenwärtigen EU-Kommission, zu einer Einigung kommen. Nun muss die neue Kommission den Gesprächsfaden wieder aufnehmen.

An den Gesprächen in Lissabon hatten neben Lamy Agrarkommissar Franz Fischler sowie die Außenminister von Brasilien und Paraguay, Celso Amorim und seine Kollegin Leila Rachid de Cowles, und ranghohe Regierungsvertreter aus Argentinien und Uruguay teilgenommen. Mercosur strebt einen leichteren Zugang für Rind, Geflügel und den Dienstleistungssektor zum europäischen Markt an. Aus Sicht der EU hat Mercosur seinen Industriesektor bislang nicht ausreichend geöffnet.

Nach Ansicht von Beobachtern würde eine Einigung mit der EU die Position von Mercosur in den Verhandlungen mit den USA über eine den gesamten Kontinent umfassende Freihandelszone (FTAA) stärken. Der EU könnte ein intensiverer Handel mit Mercosur wirtschaftliche Impulse geben. Kritikern zufolge würde ein zollfreier Handel zwischen den EU- und den Mercosur-Ländern allerdings für die Bevölkerung in Südamerika keinerlei Gewinn abwerfen und nur niedrig bezahlte Arbeitsplätze in der Landwirtschaft schaffen.

(ap)