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Fünf Millionen Euro Etat: Vattenfall richtet Expertengruppe ein

Fünf Millionen Euro Etat : Vattenfall richtet Expertengruppe ein

Hamburg (RPO). Nach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat der schwedische Energiekonzern Vattenfall nun endlich reagiert: Der deutsche Geschäftsführer wurde entlassen, außerdem richtet der Konzern eine Expertengruppe zur Aufklärung ein. Etat: Fünf Millionen Euro.

"Wir wollen damit verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen", teilte der Vorstand am Montag in Berlin mit. Der Bundesumweltminister begrüßte die Entscheidung. Die Kieler Atomaufsicht befragte dennoch das Bedienungspersonal aus Krümmel zu der Panne am 28. Juni. In dem Reaktor wurden unterdessen weitere falsche Dübel entdeckt.

Vattenfall erklärte, man wolle alles tun, "um Fehler und Versäumnisse für die Zukunft auszuschließen". Die Entlassung des Geschäftsführers der Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE), Bruno Thomauske, sei in Abstimmung mit der schwedischen Muttergesellschaft erfolgt. Der Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassa soll nun bis auf weiteres den Posten übernehmen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel begrüßte die Entlassung Thomauskes: "Das ist ein erster Schritt aus der Deckung." Thomauske sei Vertreter einer "Bunkermentaliät" gewesen und habe kein Interesse an Aufklärung gehabt, sagte der SPD-Politiker in Spiegelau im Bayerischen Wald. Es sei höchste Zeit, dass sich Vattenfall nun endlich offensiv an der notwendigen Aufklärung beteiligen wolle.

Der Konzern kündigte an, noch in dieser Woche eine Expertengruppe mit hochrangigen Vertretern aus Technik und Wissenschaft einzusetzen und dafür fünf Millionen Euro bereitzustellen. Die Gruppe soll eine Gesamtanalyse vornehmen und Verbesserungsvorschläge erarbeiten, die lückenlos umgesetzt werden sollen.

Atomkritiker bezeichneten die Reaktionen von Vattenfall als nicht ausreichend. Die Bundestagsfraktion der Grünen nannte die Entlassung Thomauskes ein Bauernopfer, das den Lizenzentzug für Krümmel und Brunsbüttel verhindern solle. Der BUND kritisierte die einberufene Vattenfall-Expertenkommission als überflüssig.

Nach Angaben der Kieler Atomaufsicht beeinflusst die Entlassung Thomauskes nicht die Aufklärung der Vorgänge. "Vattenfall muss technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen", erklärte die für Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht.

Zur Klärung der Vorgänge befragten Experten des Sozialministeriums und des Bundesumweltministeriums am Montag in Hamburg persönlich vier beteiligte Mitarbeiter, unter ihnen den Reaktorfahrer und den Schichtleiter. "Daraus ergeben sich für uns ein klareres Bild der Abläufe, allerdings auch weitere Fragen", sagte der Staatssekretär im für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministerium, Hellmut Körner, nach der Unterredung. Aus Sicht der Atomaufsicht müsse die Organisation auf der Warte des Kraftwerks verändert werden, um zu verhindern, dass der Schichtleiter bei komplexen Störfällen überlastet werde.

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Das AKW Krümmel in Geesthacht war nach einem Zwischenfall am 28. Juni abgeschaltet worden. Im Anschluss wurden nach und nach Komplikationen bekannt. Vattenfall geriet wegen seiner Kommunikationspolitik zunehmend in die Kritik. Krümmel wird nach Angaben von Vattenfall bis zur Klärung aller Fragen und der Umsetzung aller erforderlichen Maßnahmen nicht wieder angefahren. Bei der Untersuchung des Reaktors fanden Mitarbeiter am Montag zwei Dübel, die nicht dem vorgesehen Typ entsprechen, wie der Konzern mitteilte. Die Dübel seien im selben Gebäude eingesetzt, in dem schon in der vergangenen Woche Abweichungen bei zwei Dübeln festgestellt worden waren.

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(ap)