Vassiliadis: Klagen können ernstes Problem für Bayer werden“

Glyphosat-Klagen : „Klagen können ernstes Problem für Bayer werden“

IG BCE-Chef Michael Vassiliadis sorgt sich um seinen früheren Ausbildungskonzern. Zugleich wirft er Umweltministerin Svenja Schulze vor, mit ihrer Klimapolitik Jobs zu gefährden.

Mit Sorge sieht die Gewerkschaft IG BCE die Entwicklung bei Bayer: „Die Klagewelle kann für Bayer zu einem ernsthaften Problem werden“, sagte IG BCE-Chef Michael Vassiliadis vor Journalisten in Haltern. Die Frage sei, ob am Ende die Finanzkraft reiche zur Abwehr  aller Klagen und möglicher Vergleiche. Allein bis Januar haben 11.200 krebskranke Amerikaner Klage gegen das glyphosathaltige Monsanto-Produkt Roundup eingereicht, die ersten beiden Prozesse hat Bayer verloren.  Bayer habe sich umgebaut vom Tausendfüßler zum Konzern auf zwei starken Beinen. „Doch auch über ein Bein kann man stolpern“, sagte Vassiliadis, der einst selbst bei Bayer in Dormagen zum Chemielaboranten ausgebildet wurde.

Er äußerte grundsätzlich Verständnis für Bayers Strategie: Der Fusionsdruck in der Agrochemie sei hoch gewesen, Bayer schon lange nicht mehr die Apotheke der Welt, deshalb habe der  Konzern handeln müssen. „Mich hat aber überrascht, dass Bayer am Ende eine nahezu feindliche Übernahme in den USA gemacht hat.“ Vassiliadis’ Fazit: „Die Monsanto-Übernahme war kein Fehler, aber sie ist sportlich.“

Kritisch sieht der Gewerkschafts-Chef auch die Klimapolitik und insbesondere den Entwurf des Klimaschutzgesetzes von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). „Da werden für Deutschland noch ambitioniertere Klimaschutzziele formuliert, als sie in der EU gelten.“ Ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen etwa für die Beschäftigten verlange Schulze Sofortprogramme und wolle ihren Ministerkollegen Strafzahlungen aufbrummen. „Das alles sorgt für Fehlsteuerungen und würde noch mehr Arbeitsplätze aufs Spiel setzen.“ Am Mittwoch kommt erstmals der neue Klimarat der Bundesregierung zusammen, um über die Pläne zu beraten. Schon jetzt gelten laut IG BCE nach einer aktuellen Prognos-Studie: „Der Verlust an Arbeitsplätze in der Industrie droht bis 2050 kräftiger auszufallen als im Schnitt der Branchen.“

Vassiliadis stört es auch, dass die Energie der Buhman der Klimadebatte ist. „Der Energiesektor hat bei den Klimazielen geliefert, der Kohleausstieg kommt, jetzt sind andere Bereiche dran.“ Gemeint sind Verkehr und Wärmedämmung. Mit Sorge aber sieht er die Bestrebungen in der Verkehrspolitik und von Volkswagen, allein auf Elektroantriebe zu setzen. „Man darf nicht alles auf ein Pferd setzen, E-Autos haben ihren Markt, sie funktioniren aber nicht als Allrounder für die ganze Familie.“ Für Lkw und Schiffe seien sie ohnehin absehbar keine Lösung.

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